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Da Vinci Code
von Magdalena Trauttmansdorff, Michael Cech
Bei ihren Nachforschungen zum Mordfall des Louvre-Direktors Jacques Saunière stoßen der Symbolforscher Robert Langdon und die Kryptologin
Dass Buch und Film für ausreichenden Gesprächsstoff sorgen, ist keine Frage. Dass dabei die Kirche in den meisten Fällen nicht besonders gut wegkommt, ist auch klar. Doch was steckt hinter den Behauptungen über den Vatikan, über eine geheime Bruderschaft und über das Bemühen der Kirche, die „Wahrheit“ zu verschleiern? Was auf den ersten Blick nach gut recherchierten Tatsachen aussehen mag, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine wilde Mischung aus Wahrheit und Erfindung. YOU!Magazin greift die wichtigsten Themen heraus und unterscheidet Fakten von Fiktion.
Die Gottheit Jesu
Fiktion: Ursprünglich hielten die Christen Jesus nicht für Gott, sondern nur für einen Menschen. Der römische Kaiser Konstantin (gestorben 337) aber war aus politischen Gründen am Glauben an der Gottheit Christi interessiert. 325 berief er deswegen das Konzil von Nizäa ein, um Jesus dort offiziell als Gott verkünden zu lassen. Das Konzil stimmte darüber ab und akzeptierte seinen Vorschlag mit knapper Mehrheit.
Fakten: Es stimmt nicht, dass Jesus bis zum Konzil von Nizäa nur als Mensch betrachtet wurde. In allen vier Evangelien wird die Gottheit Christi bereits deutlich dargestellt. Auch Kirchenväter, die lange vor Konstantin lebten, haben darüber geschrieben. Das Konzil von Nizäa, eine Versammlung aller Bischöfe, wurde einberufen, um die bereits von Anfang an geglaubte Lehre der Kirche (Jesus Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott) festzuschreiben und so gegen Irrlehren zu verteidigen.
Die Entstehung der Bibel
Fakten: Es gibt einige Dutzend apokryphe, d.h. nicht in die Bibel eingegangene Evangelien. Doch die meisten von ihnen sind eine Art religiöser Romane oft späteren Datums und als historische Quellen unzuverlässig. Abgesehen davon bestätigen auch sie die göttlichen Züge Jesu Christi und dies oft sogar auf übertriebene Weise: Manche schildern zahlreiche angebliche Wunder Jesu bereits im Kindesalter; so soll er etwa nach Belieben Tiere getötet und sie wieder zum Leben erweckt haben. Trotz einzelner gültiger Elemente enthalten die Apokryphen vor allem Erfundenes, Naives und teilweise auch Theorien nicht-christlicher Herkunft. Aus diesem Grund wurden sie schon von der frühen Kirche als nichtbiblisch verworfen.
Die vier Evangelien der Bibel (nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes) waren bereits in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts allgemein als Heilige Schrift anerkannt. Kaiser Konstantin wurde erst hundert Jahre später geboren. Sie gehören außerdem zu den ältesten Evangelien und sind die am besten bezeugten: Tausende von Abschriften sind davon enthalten; sie stammen von verschiedensten Orten der Welt und weichen dennoch kaum voneinander ab, wie der deutsche Historiker und Papyrologe Carsten Thiede bestätigt: „Zur Zeit Konstantins, in der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts, hatten die Handschriften der Evangelien jeden Winkel des römischen Reiches erreicht, und der Kaiser wäre überhaupt nicht in der Lage gewesen, alle Exemplare zu zerstören, selbst wenn er gewollt hätte. Etwa 100 vorkonstantinische Papyri sind in mehr als 20 Bibliotheken von Jerusalem bis Kairo, von Oxford bis Cambridge, von Berlin bis Ann Arbor, von Dublin bis Köln erhalten, und in keinem von ihnen gibt es auch nur den geringsten Hinweis auf redaktionelle Änderungen."
Maria Magdalena
Fiktion: Jesus war mit Maria Magdalena verheiratet und hatte Kinder.
Fakten: Brown bezieht sich dabei auf das apokryphe „Philippus-Evangelium“, in dem Jesus Maria Magdalena auf den Mund küsst. Und im „Thomas-Evangelium“ kann man lesen, dass Jesus Maria Magdalena unter die Apostel aufnehmen wollte. Dazu ist zu sagen, dass das Philippus-„Evangelium“ eigentlich eine Art Katechismus der gnostischen Valentinianer-Sekte ist, die sich bereits von der Kirche abgesondert hatte. Kernelement dieser Ende 2. oder im 3. Jahrhundert verfassten Lehrschrift ist die Verachtung der Welt im Allgemeinen und jeglicher geschlechtlicher Vereinigung und Fortpflanzung im Besonderen. Mit Sicherheit wollte daher dieser Text nicht andeuten, dass Jesus mit Maria Madgalena ein intimes Verhältnis oder gar Kinder hatte. Dies umso weniger, als der Kuss auf den Mund in jener Kultur eine übliche Begrüßungsform und Bezeugung enger geistlicher (und nur geistlicher) Gemeinschaft war; im Philippus-„Evangelium“ kommt er immer wieder vor, auch zwischen Männern. Genauso wenig ist die Begebenheit im apokryphen „Thomas-Evangelium“ als Hinweis für eine intime Beziehung wissenschaftlich haltbar.
Was überhaupt nicht auch nur ansatzweise aus einer historischen Schrift herauszulesen wäre, ist, dass Jesus Nachkommen gehabt hätte. Diese Tatsache ist frei erfunden.
Die geheime Bruderschaft
Fiktion: Das Priorat von Sion ist eine uralte, geheime Bruderschaft, der schon Boticelli, Victor Hugo, Newton und Da Vinci angehörten. Sie beschützt die direkten Nachkommen von Jesus und Maria Magdalena und besitzt die „Dossiers secrets“, geheime Dokumente, die den Stammbaum Jesu beinhalten sollen.
Fakten: Die „Dossiers secrets“ wurden im Jahr 1967 von drei französischen Esoterikern geschrieben. Sie enthalten Anweisungen zur Interpretation bestimmter Pergamente, die sich noch heute in Privatbesitz befinden. Sowohl die Pergamente als auch die Dossiers sind Fälschungen, wie die Autoren später zugaben. In ihnen findet sich außerdem keine Erwähnung von Jesus oder Maria Magdalena.
Gottfried de Boullion, der als ein Großmeister des Priorats von Sion dargestellt wird, gründete tatsächlich im Jahr 1291 eine „Abtei unserer Lieben Frau von Sion“, ein Kloster, das bald danach aufgelöst wurde und dessen Orden im 14. Jahrhundert ausstarb. Der Orden hat allerdings weder etwas mit den Tempelrittern noch mit Maria Magdalena zu tun.
Das echte Priorat von Sion war ein esoterischer Bund, der 1956 gegründet wurde und seinen Namen von einem Hügel in der Nähe von Genf ableitete. Er zählte nie mehr als 15 Mitglieder.
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