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26.04.2007

...geschieden

Wie soll ich mit der Scheidung meiner Eltern umgehen?

von Agnes Hechtberger

Jede zweite Ehe in Österreich wird geschieden. Tendenz steigend. Keine einfache Situation für einen Jugendlichen, der ja ohnehin schon genug Probleme hat. Der Jugendliche als „Zwischenmensch“ - zwischen Kind und Erwachsenem und nun auch noch zwischen Mutter und Vater. Jede Scheidung ist anders, doch jede bringt Veränderungen. Man zieht um, verliert den Kontakt zu einem Elternteil, hat plötzlich weniger Geld zur Verfügung, lernt neue Partner der Eltern kennen, bekommt Stief- oder Halbgeschwister und muss mit Wut, Enttäuschung, Depression der Eltern umgehen lernen. Keine einfache Aufgabe! Wie geht es Jugendlichen dabei? Agnes Hechtberger hat für YOU!Magazin nachgefragt.


Silvia (16):

„Meine Eltern sind nicht geschieden, aber sie leben seit zwei Jahren getrennt. Anfangs war das ziemlich schwierig für mich. Obwohl sich meine Eltern oft gestritten haben, habe ich einfach nicht damit gerechnet! Ich gab meiner Schwester die Schuld daran... Keine Ahnung warum. Heute weiß ich, dass das ein Fehler war. Man sollte NIEMANDEM die Schuld an einer Scheidung geben. Und am wenigsten sich selbst!

Ich war ziemlich enttäuscht von meinen Eltern, begann an vielen Dingen zu zweifeln. Nicht zuletzt an der Ehe selbst. Was hat ein Versprechen für einen Sinn, wenn es jederzeit wieder gebrochen werden kann? Im Fall meiner Eltern habe ich eingesehen, dass eine Trennung vermutlich die beste Lösung war. Auch wenn sie einen Umzug und einige finanzielle Schwierigkeiten mit sich gebracht hat. Aber auch daraus kann man lernen. Ich weiß jetzt, dass eine Ehe nicht einfach besteht, sondern dass an ihr gearbeitet werden muss. Und wie wichtig eine Ausbildung und ein Beruf sind.

In dieser schweren Zeit hat mir einiges geholfen: Meine Freunde, neue sportliche und musikalische Beschäftigungen, die ich mir zum Ausgleich gesucht habe, meine Schwester, mit der ich mich jetzt wieder sehr gut verstehe. Am meisten hat mir aber mein Glaube geholfen. Es ist so wichtig das Vertrauen in Gott gerade in so einer Situation nicht zu verlieren. Denn Gott lässt einen nie allein!“


Stephanie (17):

„Es war an einem ganz gewöhnlichen Abend im März. Mein Vater kam schlecht gelaunt von der Arbeit nach Hause. Er will mit meiner Mutter sprechen, meinte er. Zehn Minuten später verließ er das Haus wieder – mit einem Koffer in jeder Hand. Ein halbes Jahr später waren meine Eltern geschieden!

Die Ehe meiner Eltern war nicht die Beste. Um die Wahrheit zu sagen, habe ich mir sogar öfter gewünscht, dass sich meine Eltern scheiden lassen würden. An die Konsequenzen dachte ich dabei nie. Weder daran, dass meine Mutter wieder einen Vollzeitjob braucht, noch daran, dass wir unser Haus für eine billigere Wohnung aufgeben müssen. Doch es stört mich nicht, dass ich neben der Schule einen Job habe und mir das Essen meist selbst kochen muss. Hauptsache es gibt nicht mehr ständig Streit mit meinem Vater! Der hat sich übrigens nur noch einmal gemeldet. An meinem 16. Geburtstag, – an dem er mir alles Gute zum 15. wünschte. Jetzt lebt er mit seiner neuen Frau in Kanada.

Wie man am besten mit der Scheidung seiner Eltern umgeht? Das ist wohl von Fall zu Fall verschieden! Ich meine, man sollte die Entscheidung der Eltern akzeptieren und sich nicht zu viele Gedanken machen.“


Lisa (19):

„Man könnte meinen, dass die Scheidung meiner Eltern mich nicht mehr beschäftigt. Schließlich liegt sie 16 Jahre zurück. Leider habe ich aber immer noch einige Probleme, mit dieser Situation zurechtzukommen. Meine Eltern hatten beide sehr schnell neue Partner und bekamen weitere Kinder, sodass ich in zwei – komplett unterschiedlichen – Familien aufwuchs. Schon als Kind war das nicht einfach. Ich versuchte immer „erwachsen“ zu reagieren. Ich wollte das bravste Kind meiner Eltern sein, um auf alle Fälle geliebt zu werden. Das klappte einigermaßen – bis ich in die Pubertät kam und meine eigene Persönlichkeit immer deutlicher wurde. Vom lieben Kind wurde ich plötzlich zum Konkurrenten meiner Stiefeltern. Für sie war ich oft einfach nur ekelhaft. Mittlerweile kann ich sie verstehen. Ihnen fehlt einfach die elterliche, bedingungslose Liebe zu mir. Bei ihren eigenen Kindern ist dies natürlich anders, was es für mich noch weiter erschwert.

Sehr hilfreich war für mich das Auslandsjahr in Amerika. Dort hatte ich endlich den Abstand, der nötig war, um über meine Familien nachzudenken und eine schwerwiegende Entscheidung zu treffen: Ich wollte zu meinem Vater ziehen, um den Konflikten mit meinem Stiefvater aus dem Weg zu gehen. Gedacht, getan! Das darauf folgende Jahr war das schwerste für mich. Meine Mutter war wahnsinnig enttäuscht. Und das Leben bei meinem Vater brachte wieder ganz neue Probleme.

Aufhören werden diese Konflikte wohl erst, wenn ich eine eigene Wohnung habe. Das habe ich durch meine Diplomarbeit über Scheidungskinder eingesehen. Über zehn Bücher habe ich zu diesem Thema gelesen und konnte dadurch endlich die Reaktionen der einzelnen Familienmitglieder richtig verstehen.“


Scheidung abgewandt durch das Gebet

Benjamin (19):

„Ich bin als Ältester in einer siebenköpfigen Familie aufgewachsen, in der ich stets im christlichen Glauben erzogen worden bin. Meine Eltern haben mich in meiner Kindheit das Beten und den Umgang mit Gott gelehrt, sodass das Gebet für mich etwas Alltägliches war.

Vor ungefähr sieben Jahren, passierte etwas für uns Kinder Unvorstellbares: Meine Eltern lieferten sich auf einmal jeden Abend heftige Diskussionen. Ich und meine damals erst drei Geschwister durchlebten vor lauter Sorgen schlaflose Nächte. Als schließlich die Anspannungen ihren Höhepunkt erreichten, war meine Mutter am Rande der Verzweiflung. Die Lage schien zu eskalieren und wir dachten schon insgeheim an eine mögliche Scheidung. In dieser Woche nahm sie uns mit zu unserer Großmutter, um sich dort ein wenig zu erholen. Auch wenn wir Kinder in dieser Woche nicht zur Schule mussten, war es zumindest für mich die schlimmste Woche meines Lebens. Es schien alles den Bach runter zu gehen. Wir alle beteten in dieser Woche sehr oft den Rosenkranz. Eines Abends, wie von Gottes Hand geführt, setzten sich zwei meiner Geschwister und ich an einen Tisch und beteten gemeinsam. So intensiv wie damals hatten wir als Kinder noch nie gebetet. Nach drei Rosenkränzen wurden wir schließlich müde.

Ich kann nicht sagen, wie es passiert ist, aber meiner Mutter schien es ab diesem Zeitpunkt schlagartig besser zu gehen. Wir fuhren sehr bald wieder nach Hause. Nach einigen normalen Gesprächen zwischen meinen Eltern verbesserte sich die Lage und wie durch ein Wunder versöhnten sie sich wieder!

Zu der Zeit war mir wahrscheinlich gar nicht bewusst, wie sehr mich dieses Ereignis geprägt hatte. Gebet kann etwas bewirken und oft sogar etwas, das aussichtslos erscheint. Unsere Familie war wieder vereint und ich durfte eine tolle Kindheit erleben! Ich kann Gott nur dafür danken!“


Mutter Teresa: Gebet hilft!

Sie war nicht nur die Mutter der Armen von Kalkutta, nicht nur ein Symbol für Nächstenliebe, nicht nur eine mit dem Friedensnobelpreis geadelte Friedenskämpferin. Mutter Theresa war auch eine sehr weise Frau. Bei einer Ansprache während der UN Frauenkonferenz in Peking 1995 verriet sie der Welt das große Geheimnis, wie eine Ehe, eine Familie funktionieren kann. Und dieses Geheimnis ist ziemlich einfach: A family who prays together, stays together.


Aus der Rede Mutter Theresas vor der UN Frauenkonferenz:

„Gott hat uns beauftragt: ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst’. Zuerst muss ich mich also selbst wirklich lieben, um dann meinen Nächsten auf gleiche Weise lieben zu können.

Wir wissen, dass für Kinder der beste Ort die Familie ist, um lieben und beten zu lernen, indem sie die Liebe ihrer Mutter und ihres Vaters erfahren. Wenn Familien zerbrochen und entzweit sind, dann ist es oft so, dass viele Kinder heranwachsen, ohne zu wissen, wie man liebt und betet. Ein Land, in dem zahlreiche Familien zerbrochen sind, kämpft mit unzähligen Problemen. Ich habe viele Kinder gesehen, und das vor allem in reichen Ländern, die zu Drogen und anderen Dingen greifen, weil sie sich nicht geliebt, sondern abgelehnt fühlen.

Aber wenn Familien stark und einig sind, können Kinder die einzigartige Liebe Gottes in der Liebe ihres Vaters und ihrer Mutter sehen, und sie können heranwachsen, um dazu beizutragen, dass aus ihrem Land ein Ort der Liebe und des Gebetes wird. Das Kind stellt das größte Geschenk Gottes an die Familie dar. Es braucht sowohl Mutter wie auch Vater, weil beide Gottes Liebe auf spezielle Weise darstellen.

Die Familie, die gemeinsam betet, bleibt auch zusammen. Und wenn sie zusammen bleibt, wird jeder den anderen so lieben, wie Gott jeden einzelnen von ihnen liebt. Werke der Liebe sind immer Werke des Friedens.“

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