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09.10.2007

PBH Club

Das Leben ist ernst genug

Sie fühlen sich nicht als Vorzeigekatholiken, aber trotzdem nahmen sie die Einladung zum katholischen Jugendtreffen in Mariazell im August gerne an, um auch dort ...

von Michael Cech

Sie fühlen sich nicht als Vorzeigekatholiken, aber trotzdem nahmen sie die Einladung zum katholischen Jugendtreffen in Mariazell im August gerne an, um auch dort ihre positive Einstellung zum Leben zu verbreiten. Als Band gewannen sie den Ö3 Radio Wettbewerb Soundcheck 07, schafften es mit ihrem Song von 0 auf Platz 16 der Austria Top 40 und touren nun quer durchs Land. Sie halten nichts von depressiver Stimmung und negativen „Vibes“, wie sie sagen. Darum konnten sie auch der Kirche durchaus etwas Positives abgewinnen. Immerhin war Bassist Nico früher mal eifriger Ministrant und Gitarrist Ernstl kannte das YOU!Magazin aus dem Religionsunterricht. Chefredakteur Michael traf sich mit den beiden Mitgliedern des Clubs, um über Kirche, den Papst und das Leben zu philosophieren...


YOU!: Ihr spielt also bei einem katholischen Treffen... Wie ist denn nun eure Beziehung zur Religion?

Nico: Für mich hängt das stark mit Familie zusammen. An den Familientagen wie zu Weihnachten, geht man gern in die Kirche. Ich glaub schon, dass es etwas gibt, bin aber jetzt nicht über-katholisch. Früher war ich eigentlich stark mit dabei, hab ministriert und sogar in Religion maturiert... (lacht). Ich hab eine Arbeit über Jesus und das Wunder geschrieben. Bei uns ist am meisten noch der Gauki, der Posaunist, jemand, den man als guten Katholiken bezeichnen würde...


YOU!: Was würdet ihr nun - so als nicht direkt Involvierte - Positives an der Kirche sehen?

Ernstl: Momentan fällt auf, dass die Kirche wieder mehr Augenmerk auf die Jugend legt und auf sie zugeht. Darum sind wir auch gern in Mariazell mit dabei. Daneben ist das für uns eine super Gelegenheit, unsere Musik Jugendlichen aus anderen Ländern vorzustellen.

Nico: Ich bin am Land aufgewachsen und da hab ich schon das Gefühl, dass die Kirche für Kinder und Jugendliche wieder interessant und attraktiv gemacht wird. Es werden sinnvolle Sachen veranstaltet, um mit den Jugendlichen zu kommunizieren und auch die Kommunikation unter den Jugendlichen zu fördern. Ich finde es gut, dass man gemeinsam etwas macht, weil es ja noch etwas anderes gibt, als Komatrinken... Den Kids werden Dinge, wie die Werte des Lebens, beigebracht, für die es auch einen Sinn macht, sich einzusetzen.


YOU!: Der Papst kommt ja einen Monat nach euch auch nach Mariazell. Was würdet ihr tun, wenn ihr Papst wäret?

Nico: (lacht) Ich muss ja zugeben, dass ich ein Anhänger vom alten Papst war, Johannes Paul II. Der war ein echter Rock-Star-Typ... Aber ich würde als Papst ebenfalls große Events machen, um Jugendliche zur Kirche zu bringen, weil das die nächste Generation ist, die zur Kirche gehören soll.




YOU!: Und nun zu euch als Band... Was sind so die Dinge, die euch beschäftigen?

Ernstl: In letzter Zeit war es sehr stressig. Aber gerade deshalb verbringen wir viel Zeit miteinander und reden darüber, was das Leben für uns bringt. Wie geht es mit uns weiter, mit dem Studium und allem.

Nico: Für uns sind Fragen aufgetreten wie: Können wir wirklich von der Band leben? Wir haben alle Freundinnen, sind fix vergeben, aber momentan bleibt halt wenig Zeit für das Privatleben. Wir überlegen, was wir bereit wären zu opfern, wenn das mit der Band in den nächsten Jahren so weitergeht.


YOU!: Ist jemand von euch schon verheiratet?

Nico: Nein niemand, bis auf unseren Posaunist Gauki. Er ist ja auch der Katholische... (lacht).

Ernstl: Um noch einmal zurückzukommen. Ich denke, dass für jeden ein spezieller Lauf des Lebens vorgesehen ist. Man bekommt etwas in die Wiege gelegt. Bei mir eben die Musik... Und so hab ich alles daran gesetzt und alles dafür gegeben, dass aus der Band etwas wird.

Nico: Wir fragen uns schon: Warum machen wir das alles? Und unsere Antwort ist, weil wir gern Musik machen. Musik ist ein zentrales Thema in unserem Leben, fast wie eine Art Berufung.


YOU!: Glaubt ihr, dass man im Leben so etwas wie eine Berufung hat?

Nico: Ich denke schon. Man merkt, ob etwas passt oder nicht, ob man Talent hat, wie etwas gelingt oder misslingt. Bei uns ist es eben die Musik.


YOU!: Schreibt ihr eure Musik selbst?

Nico: Ja, definitiv. Wir schreiben unsere Lieder und Texte selbst.


YOU!: Wie würdet ihr Ska-Punk beschreiben?

Ernstl: Die meisten kennen Punk, aber Ska nicht. Am besten kann man sich das als schnellen Reggae vorstellen. Bei uns kommt dann eben noch eine ordentliche Portion Punk, Rock und auch ein wenig Pop dazu.


YOU!: Wie seid ihr zu dieser Musikrichtung gekommen?

Ernstl: Ben, Poto und ich sind zusammen ins Musikgymnasium gegangen und die beiden haben einmal beim Weggehen Ska gehört. Sie haben das einfach sehr cool gefunden und eine Band gegründet. Ich selbst hab zuerst eher nicht so viel damit anfangen können, ich komm mehr aus der Richtung Guns’n Roses und Bon Jovi...

Niko: Also vom Soft Rock... (lacht).


YOU!: Gibt es eine Sache, die ihr eurem Publikum besonders vermitteln wollt?

Nico: Meine Botschaft ist, dass man das tun sollte, von dem man glaubt, dass man tun soll. Man soll sich treu bleiben und nicht nur darauf achten, was die anderen sagen, sondern soll seine Überzeugung durchziehen.

Ernstl: Mit unseren Konzerten wollen wir die Menschen auch ein wenig von den Sorgen des Alltag befreien, indem wir ihnen sagen: Schaltet mal für eine Stunde ab und habt Spaß! Und bewegt euch einfach zu unserer Musik...

Nico: Von unserer Musik sollen die Leute Spaß am Leben und der Musik mitnehmen. Wir nehmen uns auch selbst nicht zu ernst. Es geht darum, die sonnigen Seiten des Lebens zu genießen, denn es ist nicht alles so tragisch, wenn man ein bisschen von allem loslassen kann...




YOU!: Nimmt man das Leben manchmal zu ernst?

Nico: Auf jeden Fall.


YOU!: In eurem aktuellen Hit „Mehr Meer“ geht es ja auch darum.

Ernstl: Genau. Im letzten Jahr wollten wir ein neues Album machen. Aber das bedeutete, dass dann kein Urlaub für uns mehr drin war, denn wir mussten eben Songs schreiben. Es war Sommer und sehr heiß, und so dachten wir, dass es doch schön wäre, wenn es in der Umgebung von Wien ein Meer geben würde.

Nico: Und so brachten wir das Meer für uns in die Stadt! Denn was nützt die ganze Jammerei – auch ganz allgemein gesehen – wenn man es sich selbst schön machen kann.


YOU!: Kann man glücklich sein, auch wenn die Umstände nicht so toll sind?

Ernstl: Die österreichische Mentalität ist halt gleich Jammern. Aber vielleicht kann man daran denken, dass es uns eigentlich wirklich gut geht, im Vergleich zu anderen Menschen in anderen Ländern.

Nico: Und man muss sich realistische Ziele stecken, die man erreichen kann. Man muss daran arbeiten, wenn man unzufrieden ist.


YOU!: Noch eine letzte philosophische Frage: Was wollt ihr erreicht haben, wenn ihr am Ende eures Lebens so zurückblickt?

Ernstl: Rockstarstatus. Natürlich.

Nico: Ich möchte wirklich bis an mein Lebensende Musik machen, und wenn auch dann nur mehr zwei Menschen zuhören...

Ernstl: Und ich würde gern meinen Kindern und Enkelkindern Photos zeigen können, was man alles gemacht hat... (lacht). Nein, ehrlich... Familie ist schon ein ernsthaftes Thema für uns alle...

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