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Musik
CCM Stars
von Michael Cech
"Irgendwann ereichte ich einen Punkt, an dem ich total erschöpft und ausgebrannt war. Ich habe niemanden an mich herangelassen.“ Das war der Grund, warum Stacie Orrico vor rund 3 Jahren ihre Karriere auf Eis gelegt hatte. Ruhm und Glanz waren viel zu schnell über sie hereingebrochen. Mit 12 Jahren wurde sie entdeckt. Mit 14 veröffentlichte sie ihr Debütalbum, welches auch gleich Goldstatus erreichte. Mit 17 reiste sie um die ganze Welt und landete mit „Stuck“ und „More to Life“ in den Radio-Toplisten. Mit gerade mal 18 hatte Stacie Orrico weltweit bereits mehr als 3,4 Millionen Alben verkauft. Doch es gab auch die Kehrseite der Medaille: Stacie fand sich alle drei Tage in einem neuen Land wieder, wo sie von 7 Uhr morgens bis 11 Uhr abends Interviews gab. Sie hatte noch keinen einzigen Tag an der Highschool verbracht, war nie bei einem Abschlussball gewesen und hatte alle Familienurlaube verpasst. Für eine Person, der die Familie so viel bedeutete wie Stacie, war das ein ebenso trauriger wie unhaltbarer Zustand. Aber sie hatte es schließlich geschafft, den Schritt in eine Auszeit zu wagen, um für sich neu herauszufinden, wer sie war, und wer und was ihr wirklich etwas bedeutete, wie ihre Familie und ihr Glaube an Gott. Jetzt nach 3 Jahren erzählt sie die Geschichte ihrer Suche (und Findung) auf ihrem dritten Album „Beautiful Awakening“ und noch mehr dazu im folgenden Interview. Das Gespräch führte Fridolin Haag für sound7.de.
Hallo Stacie, Welcome back! Es ist nun schon drei Jahre her, seitdem du dich entschieden hast, eine musikalische Auszeit zu nehmen. Nun bist du mit einem neuen Album zurück... Es freut mich sehr, dass ich nun ein Stück Arbeit veröffentlichen kann, auf das ich richtig stolz bin. Das letzte Album war auch großartig, es waren daran Leute beteiligt, die ich sehr schätze. Aber ich war schon immer eine Soulkünstlerin. In bin mit Soul aufgewachsen, Soulmusik hat mich inspiriert. Dieses Album ist meine erste Möglichkeit, das zu tun, was ich liebe. Ich habe sehr lange Zeit daran gearbeitet.
Das Album heißt »Beautiful awakening«. Was bedeutet das? Während der letzten Jahre habe ich so viele wertvolle Dinge gelernt, ich bin auf vielfältige Weise gewachsen. Ich fühle mich nun einfach zum ersten Mal als Künstlerin und als Mensch am Leben. Ich war so jung, als ich in die Musikindustrie kam. Meine persönliche Entwicklung wurde so sehr durch meine Karriere geprägt. Ich wusste gar nicht, wer die Person Stacie Orrico ohne die Musikkarriere ist. Nun konnte ich entdecken, wer diese Person ist. Das zu entdecken, hat mich sehr frei gemacht. Das Album betrifft viele Situationen im Leben, die persönliche Entwicklung, die Identität finden, sich aus dem Teenageralter ins Erwachsenenleben zu entwickeln. Es gibt den Song »Baby girl«, der Schwangerschaften bei jungen Mädchen betrifft. Es handelt auch von Liebe. In einem gewissen Alter spielen Verabredungen und Beziehungen eine sehr große Rolle im Leben. Wie wähle ich den richtigen Partner aus? Wie soll eine gesunde Beziehung aussehen? Bisher habe ich bereits gelernt, wie es nicht funktioniert. Das sind einige der Themen.
Dein letztes Album war weltweit unglaublich erfolgreich. Was für Erwartungen hast du für dieses Album? Meine Wahrnehmung für Erfolg hat sich verändert. Von meinem letzten Album wurden mehr als eine Millionen Exemplare verkauft, aber ich war nicht wirklich glücklich darüber. Viele Alben zu verkaufen macht dich nicht glücklich. Ich weiß, dass das viele Menschen denken, aber es ist nicht so. Wenn es Gottes Plan ist, viele Alben zu verkaufen, wäre das wunderbar. Wenn das nicht sein Plan ist, aber dafür vielleicht nur zehn Menschen ihr Leben ändern, sich durch meine Musik auf eine positive Weise beeinflussen lassen, dann würde das für mich auch Erfolg bedeuten. Wie auch immer es kommen mag, ich freue mich darauf.
Wenn es dich nicht glücklich macht, Alben zu verkaufen, was macht dich dann glücklich? Am Ende eines Tages macht es mich glücklich zu meiner wunderbaren Familie zurück zu kommen. Ich habe auch eine wirklich wunderbare Gruppe von Freundinnen in Seattle und Kalifornien. Sie haben mein Leben für immer verändert. Meine Beziehung zu Gott hat sich auch sehr verändert. Sie wurde so lebendig und persönlich. Obwohl ich in einer christlichen Familie aufgewachsen bin und immer Christ war, hat mich die persönliche Beziehung mit Gott in den letzten Jahren so verändert. Diese Dinge bedeuten mir mehr, als es Musik und Karriere jemals könnten, obwohl ich Musik sehr liebe. Als ich mich entschied, eine Pause zu machen, war ich bereits sechs Jahre durchgehend unterwegs gewesen. Ich war sehr erschöpft und ich wusste nicht, wer ich wirklich bin. Es machte mir auch nicht mehr wirklich Spaß, Musik zu machen. In meinem Inneren stimmte etwas nicht. Ich war so erfolgreich und hatte einen Job, bei dem ich für das bezahlt wurde, was ich gerne tue, durfte mit wunderbaren Menschen um die ganze Welt reisen und doch war ich nicht glücklich. Ich konnte so einfach nicht weitermachen. Ich habe nun herausgefunden, dass ich einfach zu sehr von allem anderen isoliert war. Ich hatte schlechte Erfahrungen mit einigen Menschen in der Musikindustrie gemacht und dann vertraute ich niemandem mehr. Es war sehr schwer für mich, Beziehungen aufzubauen, weil ich niemandem vertraute und immer Angst hatte, es könnte mich jemand enttäuschen oder benutzen. In den Zeiten, wo ich am meisten jemanden gebraucht hätte, war niemand da, denn ich habe niemanden an mich heran gelassen.
Hattest du niemanden, der mit dir auf Tour war? Meine Mutter und mein Bruder waren manchmal dabei. Aber ich war ein Teenager und wie so viele Teens wollte ich nicht den ganzen Tag mit der Mutter zusammen zu sein. Manchmal gingen wir uns ziemlich auf die Nerven. Es war nie so, dass ich niemanden gehabt hätte, ich habe die Menschen einfach nicht realisiert. Ich habe eine wichtige Lektion in Sachen Demut gelernt, als ich zurück nach Hause kam und sagte: Ich brauche euch.
Was hast du die letzten Jahre gemacht? Ich habe viel Zeit mit meiner Familie verbracht. Bei meiner Schwester in Kalifornien habe ich das Collegeleben genossen. Ich habe auch mit meiner besten Freundin in einem Restaurant gearbeitet. Das hat richtig Spaß gemacht. Ich habe einfach normale Sachen gemacht. Ich habe viele neue Freunde kennen gelernt, die mich sehr unterstützt haben - nicht, weil ich erfolgreich war, sondern weil sie mich lieben.
Nun bist du wieder zurück… Ich habe zu mir selbst gesagt: Ich werde nicht zurück ins Studio gehen, um Musik aufzunehmen, solange ich es nicht wirklich möchte, solange ich nicht wirklich ehrlich sein kann in meiner Musik. Eines Tages setzte ich mich an das Klavier und begann, einen Song zu schreiben. Dann ging ich zu meiner besten Freundin und sagte zu ihr: »Ich glaube, es ist so weit, ich werde wieder anfangen, Musik zu machen.
Deine Eltern sind beide europäischer Abstammung. Fühlst du dich Europa noch irgendwie verbunden? Nun, ich spreche kein italienisch, aber wir wurden sehr traditionell erzogen, Familie ist uns wichtig. Bei meinem ersten Italienbesuch fühlte ich mich gleich zuhause.
Du warst auch schon für ein Jahr in Osteuropa. Ja, meine Eltern sind Missionare, wir waren in der Ukraine für ein Jahr. Wir haben uns im Krankenhaus um Kinder gekümmert, viele von ihnen waren Waise. Diese Kinder waren mir sehr wichtig und ich habe gesehen: Nicht jeder kann so leben wie du. Es gibt so viele verschiedene Kulturen, aber es gibt Dinge, die sind überall gleich: Wir alle wollen geliebt werden. Diese Perspektive hat mein Leben stark beeinflusst.
Wo siehst du dich in zehn Jahren? Wenn du mich vor zwei Jahren gefragt hättest - ich hätte mir nicht vorstellen können, dass ich heute wieder Musik mache. Ich denke, dass Musik immer ein Teil meines Lebens sein wird. Nach den Erfahrungen in der Ukraine weiß ich auch, dass ich später mal Kinder adoptieren möchte. In zehn Jahren werde ich hoffentlich verheiratet sein und Kinder adoptieren. Ich würde auch gerne kreative Dinge tun und Menschen auf eine andere Art erreichen, als nur CDs zu verkaufen.
Rebecca St. James hat einmal gesagt, dass sie im Durchschnitt nach jedem dritten Konzert einen Heiratsantrag bekommt. Ist dir so etwas auch schon passiert? Ja, ich habe ein paar bekommen. Ich versuche allerdings, das nicht so wichtig zu nehmen... |
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