rudolf cms image

Rock to Bethlehem

Zeichen des Nicht-Vergessens-Seins

Emmanuel vom YOU! Team ist Mitglied der Band Cardiac Move. Seinen Erfolg mit seiner Band nützte er jetzt, um mit einem Solidaritätsprojekt zu helfen.

von von Michael Cech

Emmanuel vom YOU! Team kommt aus Bethlehem und er ist Mitglied der Band Cardiac Move. Seinen Erfolg mit seiner Band nützte er jetzt, um mit einem Solidaritätsprojekt dem fast wichtigsten Ort der Erde zu helfen. Denn was viele nicht wissen: So schwer wie heute war es für die einheimischen Christen in Bethlehem schon lange nicht. YOU!Magazin war natürlich mit dabei und organisierte eine Reise ins Heilige Land inklusive Teilnahme am „Rock to Bethlehem“.

An Weihnachten am Heiligen Abend schaut fast jeder in Mitteleuropa auf das beschauliche Geschehen vor über 2000 Jahren in Form einer Krippe. Doch diese Idylle kann leicht täuschen. Auch das Jesuskind kam nicht in eine friedliche Situation. Es gab die Besetzung durch die Römer. König Herodes wollte es töten lassen. Und der Stall war in Wirklichkeit auch keine romantische Sache. Und trotzdem ging gerade von hier der Friede der Welt aus. Weihnachten ist nicht die Zeit von „alles Eierkuchen“ sondern ist der Friede für „die Menschen guten Willens“. Die Menschen, die die Kleinheit und Einfachheit von Bethlehem aufnehmen wollen, werden den Frieden im Herzen erleben, auch wenn es rundherum rau hergeht.

Und das ist Bethlehem auch heute noch. Es geht rau zu. Emmanuel hat es, bevor er nach Österreich zum Studium kam, hautnah erlebt. So viel Unfriede am größten Ort des Friedens. Vielleicht ist das ein Zeichen für unsere gesamte Welt. Der wahre Frieden ist eine Sache des Herzens. Umso mehr ein Grund, unseren Blick zu Weihnachten auf Bethlehem zu richten. Emmanuel erklärt euch hier, was die Situation so schwierig macht und worum es bei seinem Projekt ging...


Was sind die Schwierigkeiten im Heiligen Land?



Emmanuel: Die Schwierigkeiten im Heiligen Land sind sehr kompliziert und es ist gar nicht leicht zu sagen, wer in den Konflikten wo Recht hat. Aber kurz zusammengefasst die politische Situation und worum es im Konflikt geht: Es gibt den Staat Israel und das Westjordanland (inklusive Gazastreifen), welches seit dem Sechstagekrieg 1967 zwischen Israel und dem arabischen Jordanien von Israel besetzt war. Die im Westjordanland lebenden Araber verwalten heute Teile dieses Gebietes als Palästinensisches Autonomiegebiet, was heute damit gemeint ist, wenn man Palästina sagt. Eine Einigung über Staatsgrenzen und Unabhängigkeiten gibt es noch nicht, was eben zu den andauernden Konflikten führt. Und Bethlehem, wo ich her komme, liegt zur Gänze in Palästina.

Und warum treffen die Konflikte vor allem auch die Christen?


Emmanuel: Die wenigsten wissen zum Beispiel, dass es palästinensische Christen gibt. Palästina wird meist mit Islam gleichgesetzt. Sicher, die Araber in Palästina sind zum Großteil muslimisch, genauso wie in Israel der Großteil jüdisch ist. Und doch gibt es übera
ll einen kleinen Prozentsatz von Christen, die sehr oft zwischen beiden Konfliktparteien stehen, die aber auf der anderen Seite auch eine Möglichkeit haben, zu versöhnen. Seit einigen Jahren ist die Situation für die in Palästina lebenden Christen besonders schwer, da alle Palästinensischen Autonomiegebiete durch eine 8 Meter hohe Mauer umbaut bzw. eingezäunt wurden. Auch Bethlehem ist so von der Außenwelt abgeschnitten und wer nur einen palästinensischen Pass hat, kommt nicht so einfach rein und raus. Dazu kommt, dass den Christen oft der Arbeitsplatz verwehrt wird. Und der Tourismus, von dem die Christen leben konnten, ist stark gesunken. So bleibt oft nur die Möglichkeit, auszuwandern und in einem anderen Land bessere Lebensbedingungen zu finden. In Bethlehem gab es vor 20 Jahren noch 60 Prozent Christen. Heute sind es nur mehr 15 Prozent.

Was wollte das Projekt „Rock to Bethlehem“ erreichen?



Emmanuel: „Rock to Bethlehem“ wollte in erster Linie ein Zeichen der Solidarität und des „Nicht-vergessen-Seins“ setzen. Bethlehem ist dazu für uns Christen nicht nur irgendein Ort. Früher gab es gerade zu Weihnachten immer vor der Geburtskirche am Krippenplatz ein Festival. Jetzt, durch all die Umstände, hat das aufgehört. Es fehlt auch die Motivation. Wir als Band aus dem Ausland und als Christen wurden da mit Freuden aufgenommen. Die Stadtverwaltung stellte die Bühne zur Verfügung. Bethlehem hat uns Weihnachten gebracht. Jetzt brachten wir Weihnachten nach Bethlehem. Besonders für die jungen Menschen dort sollte es ein Zeichen der Hoffnung sein.

Viele Christen würden gern ins Heilige Land fahren, schrecken aber vor der Krisensituation zurück.



Emmanuel: Da kann man nur sagen, dass eine Reise ins Heilige Land, auch in die palästinensischen Gebiete, nicht weniger und nicht mehr gefährlich ist als ein anderes Urlaubsland. Die Probleme und Schikanen in der Bewegungsfreiheit haben nur die Einheimischen. Das ist ja genau die große Schwierigkeit. Mein Vater, der selbst dort wohnt und immer wieder die Reisegruppen durch das Land führt, sagt sogar, dass das Heilige Land besonders jetzt eine Reise wert ist, da die Stätten wie sonst nie ohne großen Touristentrubel besucht werden können. Als Christ aus Bethlehem möchte ich einfach alle dazu einladen, Weihnachten direkt am Ort des Geschehens mit uns zu verbringen.

 

More