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Stress
von Michael Cech
Wer kennt das nicht? Alles ist zuviel. Es scheint, als ob sich alle Lehrer zusammengetan hätten, nur um ja alle Schularbeiten und Tests in einer Woche hinzuknallen. Zuhause verstehen einen die Eltern auch nicht wirklich. Denen sind nur gute Noten wichtig. Eigentlich sollte man die ganze Zeit lernen. Aber wie soll man, wenn die Freunde aus der Klasse ausgerechnet heute so eigenartig waren... Außerdem wartet die Klavierstunde. Natürlich ist wieder einmal keine Zeit geblieben, das neue Stück zu üben. Das wird peinlich...
Manchmal kommt eben alles zusammen. Wenn man da keine Magengeschwüre bekommen soll! Vielleicht ist das nur eine Redewendung, aber längerfristig ist Stress tatsächlich ungesund. Stress ist die Hauptursache vieler psychischer und psychosomatischer Probleme wie Depression, Essstörungen, Kopfweh, Schlafstörungen und vieles mehr. Nach einer Statistik leidet immerhin die Hälfte aller Schüler unter Müdigkeit und Erschöpfung. Was also tun?
Wie erfahrungsgemäß bekannt, lassen sich manche Dinge nun mal nicht ändern. Und so gibt es von Zeit zu Zeit echte Engpässe, in denen man ganz schön ins Schwitzen kommt. Das muss aber noch nicht unbedingt das Schlechteste sein. Wir Menschen halten viel aus, mehr oft, als wir glauben. Stress hat nämlich auch seine positiven Seiten. Bis zu einem gewissen Grad, setzen Stresssituationen Energien frei, die uns zu Top-Leistungen führen können. Erst wenn eine gewisse Belastbarkeits-Grenze überschritten ist, kommt es zu Blockaden und somit zu schädlichen Folgen.
Da nun aber der negative Stress viele verschiedene Faktoren hat, gibt es sehr wohl einige Möglichkeiten die besagte Grenze positiv zu beeinflussen. Denn am Stress sind zum Beispiel eben nicht immer nur die Noten schuld. In unserer YOU!-Umfrage unter mehreren Schülern wurde vor allem eines als ein Stressfaktor hervorgehoben, wenn zu viele Prüfungen und Tests auf einmal gegeben werden, ohne Rücksicht darauf, wie viel Zeit zum Vorbereiten bleibt. Das Unverständnis mancher Lehrer oder auch deren ungerechtes Verhalten machen die Sache dann ungenießlich. Interessanterweise hielten fast alle Befragten Noten trotzdem für notwendig. Der ungute Druck kommt höchstens von Eltern, im Allgemeinen würden Noten aber eher anspornen.
Unlösbare Aufgaben
Stress kommt zustande, wenn man das Gefühl hat, etwas nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Wir stehen vor mehreren Aufgaben und sehen keine Chance, diese zu lösen, entweder weil es zu wenig Zeit gibt, oder weil das Verständnis fehlt. Nicht immer ist die Sachlage tatsächlich unlösbar, aber unsere Einschätzung blockiert unser Tun, noch bevor wir überhaupt angefangen haben. Eine Möglichkeit, dem zu begegnen, ist die Analyse der Aufgaben mit folgenden Fragen: Was will ich wirklich? Wo sind meine Prioritäten? Wie erreiche ich mein eigentliches Ziel? Was passiert, wenn ich etwas nicht mache? Wahrscheinlich kommt man drauf, dass einiges gestrichen werden kann oder mit etwas Einteilung möglich wird. Dabei ist es hilfreich, sich eine kleine Liste anzufertigen.
Frage nach dem Sinn
Wer einen Sinn in einer Mathehausübung sieht, den wird diese nicht stressen, sondern im Gegenteil sogar Spaß machen. Wer versteht, warum manches gut und notwendig ist, der wird bereitwillig auch schwierige Probleme in Angriff nehmen. Wenn aber kein Sinn dahinter zu sehen ist, oder noch viel schwerwiegender, wenn sich der Sinn gegen die eigene Einstellung richtet, dann kommt es zu einer Stresssituation. Hier steht dann innere Überzeugung gegen äußere Bestimmungen oder Zwänge. Vielleicht muss man die Matura machen und dann studieren, nur weil es die Eltern wollen. Und trotzdem können solche Dinge letztlich gut sein. Manchmal wird man für seinen Standpunkt kämpfen müssen. Ein anderes Mal ist es durchaus besser, sich äußeren Dingen zu fügen. Wichtig dabei ist, für sich selbst einen gewissen Sinn dahinter erkennen zu können.

Seelische Verfassung
Neben den äußeren Problemen kommt es im Allgemeinen sehr stark auf die innere, seelische Verfassung an, wie sehr belastbar jemand ist. Fehlende Anerkennung, familiäre Probleme aber auch unverarbeitete Schuld können die Belastbarkeitsgrenze stark absenken, und die Stresssymptome treten bereits bei der kleinsten Unsicherheit auf. Da die Gründe dafür vor allem im zwischenmenschlichen Bereich liegen, ist es viel schwieriger, etwas dagegen zu unternehmen. Andere Menschen kann man eben nicht durch Analyse oder Einteilung einfach ändern. In solchen Fällen können wir nur unsere eigene Haltung oder Reaktion beeinflussen, um Stress zu mindern oder auszuschalten. Vielleicht liegt es in manchen Punkten ja auch bei mir, wenn ich zum Beispiel der Klassenaußenseiter bin. Vielleicht bin ich ungepflegt, zickenhaft, dauernd besserwisserisch? Eine tägliche Gewissenserforschung ist der erste Weg zur Besserung. Eigene Schuld wird gerne übersehen, lähmt aber unsere Beziehungsfähigkeit. Mit einer ehrlichen Beichte wäre schon viel gewonnen und vieles leichter.
Andererseits gibt es in jedem Leben eben auch Probleme, die nicht in unserer Beeinflussbarkeit liegen. Zum Beispiel eine Scheidung der Eltern, ungerechte Lehrer, Diskriminierung durch die Mitschüler, nur weil man eine andere Einstellung hat, oder auch Streit unter Freunden. Was man aber hier tun kann, um eine Situation leichter zu tragen, ist unsere Reaktion und innere Einstellung zu überprüfen. Jeder Mensch ist auf Anerkennung und Liebe angewiesen. Doch wer sich das nur von Menschen erwartet, der wird immer enttäuscht werden. Und hier spielt der Glaube eine große Rolle. Denn wer sich von Gott getragen und geliebt weiß, der wird auch dort sicher und stark sein, wo er beleidigt und ausgelacht wird. Im Gegenteil, er selbst wird zu einer kleinen Quelle der Liebe. Der christliche Glaube dreht nämlich genau hier den Spieß um: Sich selbst findet, wer sich ganz hingibt. Der Glaube wird somit zum „Anti-Stressmittel“ schlechthin. Jesus sagt: „Bei denen, die Gott lieben, wird alles zum Guten.“ Eine Gewissheit, die innere Ruhe und Ausgeglichenheit gibt.
Sich Rat holen
Für jemanden, der sich gerade in der Stressfalle befindet, ist es gar nicht so einfach, einen objektiven Blick auf die verschiedenen Probleme zu bekommen. Wie wichtig ist da ein Rat von außen, von einem objektiven Beistand, der einem hilft die Situation Schritt für Schritt zu lösen. Manchmal sind es die Eltern, manchmal ein guter Freund. Für jemanden, der versucht, sein Leben aus dem Glauben zu leben, empfiehlt sich ein sogenannter geistlicher Begleiter, der dem objektiven Blick auch noch den Blick des Glaubens hinzufügt. Dies kann entweder ein bestimmter Beichtvater sein, oder auch eine Schwester oder ein anderer geistlicher Mensch, zu dem man Vertrauen hat. Er oder sie hilft vor allem zu erkennen, was im eigenen Leben wirklich wichtig ist, wo die Stärken und Schwächen liegen, wie man auf bestimmte Situationen vielleicht anders reagieren kann. Vor allem aber wird er oder sie zu einem geistlichen Leben motivieren, fest im Gebet zu bleiben und den Blick auf Gott nicht zu verlieren. Denn dieser ist bekanntlich ein festes Fundament, auch wenn die Stürme des Lebens noch so heftig sind.
...Das Gebet hilft, zur inneren Ruhe zu kommen, durchzuatmen und einen objektiven Blick zu erhalten.
Was stresst dich eigentlich am meisten in der Schule?
„Mich stressen zu viele Prüfungen auf einmal.“ Jakob, 17
„Mich stresst es, wenn die Lehrer denken, wir kapieren sowieso alles schon bei einmal erklären.“ Regina, 14
„Manchmal stressen mich Lehrer, die nicht fähig sind, mit Schülern umzugehen. Manchmal mach ich mir einfach selber zu viel Druck mit dem Lernen.“ Christina, 16
„Ich finde Noten eigentlich schon wichtig. Obwohl, ich wäre froh, wenn es nur 1 gibt! *g*“ Laura, 15
„Wenn die Noten fair sind, ist es gut, dass es welche gibt. Aber wenn sie nicht fair sind (was ja leider oft vorkommt), finde ich es schon schlecht.“ Maria, 17
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