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27.03.2008

Mystische Begegnung Teil IV

Eintauchen in das Erleben der heiligen Messe

Die aktuelle Serie der Printausgabe: Die Heilige Messe.

von Michael Cech

Das Schuldbekenntnis

Wir bekennen...

Wir sind am Beginn der heiligen Messe. Der Priester ist symbolisch für Jesus feierlich eingezogen. Mit dem Kreuzzeichen haben wir uns bewusst gemacht, dass wir uns nun in der Gegenwart Gottes befinden. Wir stehen vor Gott selbst. Darum ist die Messe auch „heilig“. Wir stehen vor Gott, so wie wir sind. Und hier geht es gar nicht anders, als dass wir auf einmal merken, wie klein wir sind.

Es geht uns dabei vielleicht genauso, wie dem Petrus vor 2000 Jahren, als er Jesus zum ersten Mal begegnet ist. Jesus sagte ihm, er solle noch einmal die Netze zum Fischen auswerfen, obwohl er die ganze Nacht nichts gefangen hatte. Und auf einmal waren seine Netze so voll, dass er es allein gar nicht schaffte, sie einzuholen. Auch er erkannte: Ich stehe hier vor Gott. Und es brach aus ihm heraus: „Herr, geh weg von mir! Ich bin ein Sünder!“ Wenn wir in unserem Herzen zutiefst erkennen, wie groß Gott ist, dann fallen bei uns alle Masken, die wir uns so im Lauf der Zeit aufgesetzt haben. Und so folgt in der Messe nun das „Schuldbekenntnis“.


Minderwertigkeitsdenken?

Sünde, Schuld, Buße, das sind Begriffe, mit denen der moderne Mensch nicht viel anfangen möchte. Aber im Gegensatz zu einem Schaffen von Minderwertigkeitskomplexen geht es darum, ein tiefes Heilen unserer Seele zu erfahren. Viele tun so, als ob sie keine Schwächen und Fehler hätten. Schuld haben auf jeden Fall immer die anderen. Und wenn es nicht die anderen sind, dann eben die Umstände. Sich einzugestehen, dass man etwas falsch gemacht hat, dafür ist man zu stolz. Dabei würde genau das so frei machen.

Wenn du zum Arzt gehst, musst du ihm genau das zeigen, was verwundet ist, was krank ist. Sonst verheilt es nur oberflächlich und wird noch viel schlimmer. Wenn wir nun vor Gott und vor einander bekennen, dass wir Sünden haben, dann sind das auch Wunden, die geheilt werden müssen. Wie viele Menschen leiden an ihrer nicht verarbeiteten Schuld, wenn man ein wenig an der Oberfläche kratzt. Man braucht sich sicher nicht schlechter machen, als man ist, aber wir sollen uns bei dem, was wir falsch gemacht haben, nicht auf die Umstände oder auf andere ausreden. Damit übernehmen wir wirklich eine Verantwortung für unser eigenes Tun, und das macht uns zu reifen Menschen.


Ehrliche Gewissenserforschung

Beim Schuldbekenntnis legen wir in unserem Inneren also alles vor Gott hin, wo wir nicht dem entsprochen haben, wozu er uns gedacht und geschaffen hat. Wie oft waren wir lieblos, nur auf uns selbst bedacht, aufbrausend oder zu bequem? Jede Sünde behindert unsere Beziehung zu Gott. Es ist, als ob wir Gott immer ein kleines Stückchen mehr aus unserem Herzen drängen, weil uns anderes oder unser Ego wichtiger ist. Mit den sogenannten „schweren Sünden“ stirbt unsere Verbindung zu Gott sogar ganz, weil wir ihn ganz bewusst gleichsam hinauswerfen. Aber auch da ist Gott stets bereit, uns immer wieder zu vergeben, und hat dazu das Sakrament der Versöhnung, die Beichte, geschenkt.

Wer also zum Beispiel einmal aus Bequemlichkeit nicht bei der Sonntagsmesse war oder dem Freund glatt ins Gesicht gelogen hat oder Ähnliches, darf und sollte diese Dinge zuerst konkret in der Beichte benennen und so mit Gott Versöhnung schließen, bevor er bei der Messe zur Kommunion nach vor geht. Auch das hat etwas mit Verantwortung Übernehmen zu tun. Das Schöne daran ist, dass Gott unseren Willen zur Versöhnung immer wieder neu annimmt, hundertprozentig.


Gott verzeiht immer

Wenn es um kleinere Sünden, die „leichten Sünden“, geht, ist es auch eine gute und hilfreiche Sache, diese bei einer Beichte zu nennen, doch vor Gott sind sie schon im ehrlichen Schuldbekenntnis in der Messe wieder gutgemacht. Es ist darum unser erster wichtiger Schritt bei der heiligen Messe, das Schuldbekenntnis ehrlich und aufrichtig mitzubeten. Manchmal wird der Bußakt auch mit einer Stille oder einem anderen Gebet verrichtet, aber dein Wille zur inneren Umkehr muss so oder so von dir kommen.

Wir beten das Schuldbekenntnis in der Messe nicht deshalb, weil Gott ein böser Richter oder ein strenger Chef wäre. Vielmehr sehnt er sich als ein Vater, der uns liebt, nach unserer echten Freundschaft. Und weil wir ihn so oft vergessen, bitten wir um Verzeihung. Das ist die Voraussetzung, dass eine Freundschaft immer tiefer wachsen kann.

...Wenn wir in unserem Herzen zutiefst erkennen, wie groß Gott ist, dann sehen wir uns, so wie wir sind.
...Sind immer die anderen schuld?
...Viele Menschen leiden an ihrer nicht verarbeiteten Schuld.
...Gott wartet immer auf uns, wie der barmherzige Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn. (Nachzulesen im Lukas-Evangelium 15,11-32)


Das Schuldbekenntnis

„Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, und allen Brüdern und Schwestern,...“

Vor Gott sind wir alle Brüder und Schwestern, und jeder, vom Papst bis zum einfachen Christen, betet dieses Bekenntnis, weil niemand so heilig ist, dass er nicht noch heiliger werden kann.


„...dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe.“

Vielleicht bedenkt man das viel zu wenig, dass es auch eine Form der Sünde ist, wenn wir etwas Gutes NICHT tun, unterlassene Gebete, unterlassene Pflichterfüllungen oder Hilfen, die wir hätten geben sollen.


„...Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken - durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.“

Es geht um den Teil, für den wir verantwortlich sind, ohne uns auf Umstände auszureden. Ganz deutlich machen wir das, indem wir uns dreimal an die Brust schlagen.


„...Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria, alle Engel und Heiligen und euch, Brüder und Schwestern, für mich zu beten bei Gott, unserm Herrn.“

Wir sind nicht isoliert, sondern wir sind eine gemeinsame Familie Gottes. Wir beten für die anderen, und die anderen beten für uns. Auch die, die schon im Himmel sind. Besonders denken wir dabei an Maria, die hier wie eine gütige Mutter auf uns schaut.


Was ist eine Sünde?

„Die Sünde ist ein Verstoß gegen die Vernunft, die Wahrheit und das rechte Gewissen; sie ist eine Verfehlung gegen die wahre Liebe zu Gott und zum Nächsten.“ KKK 1849*


Die lässliche Sünde

Die lässliche (leichte) Sünde bezieht sich auf eine gewisse Unordnung, verstößt gegen die Liebe und verletzt sie, lässt sie aber bestehen. (vgl. KKK 1855-1856)


Die Todsünde

Für eine Todsünde (schwere Sünde) gelten drei Bedingungen: „Eine Todsünde ist jene Sünde, die eine schwerwiegende Materie zum Gegenstand hat, mit vollem Bewusstsein und bedachter Zustimmung begangen wird.“ KKK 1857


Schwerwiegende Materie

Orientiert sich grundsätzlich an den 10 Geboten. Hier wiegt zum Beispiel ein Mord noch viel schwerer als Diebstahl oder eine Lüge. Das Bewusstsein, ob es eine Sünde ist, wird durch selbstverschuldete Unwissenheit nicht unbedingt entschuldigt. (vgl. KKK 1858-1859)

*KKK = Katechismus der Katholischen Kirche

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