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24.07.2007

Hollywood adoptiert

hinter den Kulissen

YOU! untersuchte Sinn und Sinnhaftigkeit.

von Valerie Schwarzbauer

Angelina Jolie, Ewan McGregor, Steven Spielberg, Meg Ryan, Sharon Stone, Michelle Pfeiffer, Calista Flockhart, Woody Allen und seit Oktober 2006 auch Madonna - sie alle reihen sich in die lange Liste der Promis ein, die neben Schönheit und Reichtum auch noch etwas anderes gemeinsam haben: Adoptivkinder. Adoption ist populär. Zumindest in Hollywood.

Die Frage stellt sich nur: Soll man vorbehaltlos applaudieren, wenn Stars ihre soziale Ader entdecken und Kinder aus allen Waisenhäusern der Welt zusammensammeln? Immerhin wird auf diese Weise vielen Kindern ein Zuhause geschenkt, die sonst ihr Dasein in einem Waisenhaus ohne richtige Familie fristen müssten. Trotzdem gibt es auch kritische Stimmen, die an der Aufrichtigkeit mancher Promis immer wieder zweifeln.


Denn nichts bringt momentan mehr Medienaufmerksamkeit als die Adoption eines Kindes aus der Dritten Welt.

Und wenn es nur ums Prestige geht oder darum, Mutter zu werden und sich dabei Dinge wie Schwangerschaftsstrapazen, Wehen, Schwangerschaftsstreifen, oder jegliche weitere eventuelle körperliche Veränderungen zu ersparen, dann sind die kritischen Stimmen eben berechtigt. Aber ein zu vorschnelles Urteil wird dem manchmal doch ernst gemeinten sozialen Engagement so mancher Stars auch nicht gerecht. Nach Meinung der Experten verbessert sich durch die vermehrten Promi-Adoptionen das Image von Adoption auch in der gewöhnlichen Bevölkerung, was sich in einem Anstieg der Anträge, ein Kind zu anzunehmen, bemerkbar macht.


Friede des Himmels

Als Paradebeispiel der Adoptivmütter gilt Angelina Jolie, die seit kurzem zum vierten Mal „Mutter“ geworden ist. Neben ihrer leiblichen Tochter Shiloh Nouvel (übersetzt: „der neue Messias“) zählt der fünfjährige Maddox aus Kambodscha, die zwei Jahre alte Zahara aus Äthiopien und seit einigen Wochen auch ein dreijähriger Junge aus Vietnam zu ihren Kindern. Doch Pax Thien („Himmlischer Friede“), so der neue Name, den Jolie dem Kleinen gegeben hat, soll nicht das letzte Adoptivkind gewesen sein. Bereits jetzt kann man auf einigen amerikanischen Internetportalen lesen, dass die 31-jährige Schauspielerin ein weiteres Familienmitglied ins Auge gefasst hat.


Etwas Gutes tun?

Calista Flockhart (Ally McBeal), die 2001 den kleinen Liam adoptiert hat, antwortete auf die Frage, warum sie sich für eine Adoption entschieden hat, dass sie das Bedürfnis gehabt hätte, etwas Gutes zu tun. Für eigene Kinder fühle sich die Schauspielerin aber noch nicht reif genug, wie die mittlerweile 43-Jährige kommentiert. Angesichts des Alters eine interessante Aussage. Ein Schlag aufs Aug auch für viele Ehepaare, die darunter leiden, keine eigenen Kinder zu bekommen.


Ungewollt kinderlos

Sieht man einmal vom Hype um die Promis ab, stößt man auf die wirklich leidvolle Erfahrung von Paaren, die selbst keine Kinder bekommen können. Obwohl davon in der Öffentlichkeit weniger gesprochen wird, ist es ein nicht seltenes Problem und oft ein großer Kummer. Trotz aller möglichen Therapieversuche bleibt es manchen Paare verwehrt, Eltern zu werden. Das Geschenk des Lebens ist und bleibt eben ein Geheimnis, man hat kein Recht darauf – auch wenn manchmal dieser Eindruck vermittelt wird. Auf der anderen Seite werden Kinder zurückgelassen oder kommen aus anderen Gründen ins Waisenhaus. So ermöglicht Adoption kinderlosen Paaren, eine eigene Familie zu gründen und Vater und Mutter zu werden, und den Kindern, familiäre Geborgenheit zu erfahren.


Das Beste für das Kind

Schließlich und endlich geht es in erster Linie um das Wohl des Kindes. Denn viel zu oft heißt die andere Alternative heute Abtreibung, obwohl eigentlich viele Eltern in Österreich und Deutschland auf ein Adoptivkind warten würden. Es gibt die schwierigen Lebenssituationen, in denen sich Frauen nicht in der Lage fühlen, selbst für ihr Kind zu sorgen. Manchmal ist es das Geld, manchmal fühlt man sich noch viel zu jung. Viel zu oft fehlt es auch am Vater, der eine Verantwortung übernehmen möchte. Und in dieser Ausweglosigkeit entscheiden sich viele, ihr Kind abtreiben zu lassen, weil sie sonst keine Lösung für ihre Situation sehen. Dazu kommt, dass es relativ leicht ist, ein ungewolltes Kind einfach nicht auszutragen. Entscheidet sich eine Frau hingegen dafür, ihr Kind nach der Geburt zur Adoption freizugeben, erfährt sie, was gesellschaftliche Ächtung bedeutet. Der Schwangerschaftsbauch lässt sich ja nicht so einfach verbergen. Doch mit der Entscheidung für die Adoption würde das Kind leben dürfen und bei Menschen aufwachsen, die es lieben.


Imagewandel

Vielleicht darf man deshalb doch applaudieren, wenn Hollywood-Stars durch ihre Beispielfunktion Adoption in ein besseres Licht rücken. Bei allen Schwierigkeiten und kritischen Fragen ist es dennoch ein Statement für das Leben und für die Familie. Und das sind immerhin Dinge, die jedem Menschen vergönnt sein sollten.


Adoption statt Abtreibung

Wer ungewollt schwanger wird, und das Kind aus den verschiedensten Gründen nicht behalten zu können glaubt, kann sein Kind zur Adoption freigeben. Leider wird dieser Schritt in der Gesellschaft viel weniger akzeptiert als eine Abtreibung. Doch der Unterschied ist klar: Die Abtreibung tötet das kleine Baby, Adoption ist aber das Ja zum Leben, auch wenn die Umstände schwierig sind. Und obwohl es schwer ist, ein Kind hergegeben zu haben, ist der Gedanke noch viel schwerer, ihm das Leben genommen zu haben.


Anonyme Geburt

In jedem Spital gibt es die Möglichkeit anonym das Kind zur Welt zu bringen. Die legale anonyme Geburt soll das Entbinden für Frauen in einer gesicherten Atmosphäre ohne Preisgabe der persönlichen Identität regeln und gewährleisten und gleichzeitig die Möglichkeit bieten, das Neugeborene gut versorgt zurückzulassen.


Der Weg zur Adoption

Wer ein Kind adoptieren möchte, der muss erst einmal zahlreiche Bürokratie-Hürden bezwingen, bevor man eine positive Antwort bekommt. In Extremfällen kann der Adoptionsprozess bis zu sieben Jahren dauern, wobei zwei bis drei Jahre Wartezeit der Norm entsprechen. Auch wenn dieser bürokratische Aufwand bei so manchen großes Unverständnis hervorruft, geht es eigentlich letztendlich nur um das Wohl des Kindes, da man sicher gehen will, dass das Kind in gute Hände gelegt wird.


Folgende Schritte sind zu bewältigen:

Verfahren:

  • Bewerbung beim örtlichen Jugendamt

  • Bedingungen werden geprüft (Alter, Berufstätigkeit, Einkommen, ausreichender Wohnraum, guter fachärztliche und psychologische Gutachten, Motivation für die Adoption, unbeflecktes Vorstrafenverzeichnis...)

  • Aufnahme ins Adoptionsverfahren

  • Eignungsprüfung (Beratungsgespräche, Hausbesuch, Teilnahme an Vorbereitungsseminaren)

  • Eignungsbescheinigung


Erst nachdem all diese Punkte positiv erfüllt worden sind, beginnt die eigentliche Suche nach einem Kind:

  • Bewerbung um ein Kind

  • Vermittlung eines Kindes

  • bis 2-jährige Kontrollphase

  • endgültige Adoption

Die 43-jährige Calista Flockhart (Ally McBeal) mit ihrem seit 2002 Verlobten, über 20 Jahre älteren, Harrison Ford fühlt sich noch immer zu jung für eigene Kinder.


Angelina Jolie und Brad Pitt haben bereits 3 Kinder adoptiert neben ihrer leiblichen Tochter Shiloh Nouvel


Nicole Kidman ließ anklingen, dass auch sie darüber nachdenkt, ein drittes Kind zu adoptieren. Die australische Schauspielerin, die im Sommer den Country-Sänger Keith Urban geheiratet hat, hatte bereits in ihrer ersten Ehe mit Tom Cruise die beiden Kinder Isabella (13) und Connor (11) adoptiert.


Angeblich überlegt auch Jennifer Aniston bereits, ein Kind in ihre Obhut zu nehmen. Trotzdem ihr bisher das Glück, den Richtigen fürs Leben gefunden zu haben, verwehrt geblieben ist, hegt auch sie den Wunsch, sich niederzulassen und Adoptiv-Mami zu werden, was durchaus möglich ist, da Kinder auch von Singles adoptiert werden dürfen.

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