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AIDS
P. Leo Maasburg war langjähriger Begleiter von Mutter Teresa
Pater Leo-M. Maasburg ist Nationaldirektor von MISSIO Austria, den Päpstlichen Missionswerken in Österreich. Diese unterstützen die 1300 ärmsten Diözesen der Welt. In Österreich ist MISSIO vor allem durch ihre Kampagnen zum Weltmissionssonntag bekannt oder durch die Aktion Schutzengel - eine Hilfsaktion für Aidswaisen. Dass „Gott ist“, dass Gott immer da ist, auch oder gerade in großer Not, davon will MISSIO Zeugnis ablegen. Pater Leo selbst war früher langjähriger Begleiter von Mutter Teresa und hat so die Not hautnah erlebt, die Aids in den Ländern der so genannten Dritten Welt bewirkt. YOU!Magazin bat ihn zum Interview.
Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie mit Aids gemacht, als Sie in Afrika waren?
Ich habe einmal in einem Haus gearbeitet, wo ich oft barfuss lief, bis man mich darauf aufmerksam machte, dass dort Aids-Patienten gewohnt haben. Wenn man nichts darüber weiß - das ist der erste Punkt, die Ignoranz - dann hat man sehr leicht Angst davor, sich eventuell anzustecken. Ich habe in diese Angst hinein gerochen, die mit Aids verbunden ist.
Wie gehen Menschen damit um, wenn sie HIV-positiv diagnostiziert werden?
Das ist nach Kontinenten und Kulturen verschieden. Die erste Reaktion ist meist Panik und tiefe Hoffnungslosigkeit. In Kambodscha z.B. haben sich viele völlig verloren und verzweifelt das Leben genommen, weil sie mit der Diagnose nicht umgehen konnten. Als die Mutter Teresa Schwestern dorthin kamen, sprach es sich schnell herum, dass man sich nicht umbringen muss, sondern zu ihnen gehen kann, wenn man infiziert ist. So verbreiteten die Schwestern die Botschaft des Lebens: Du bist nicht zu Selbstmord oder Ausgrenzung verurteilt, wenn du „es“ hast.
Die Schwestern haben auch Häuser für Kinder, die mit Aids geboren werden...
Obwohl die Kinder dort eine sehr niedrige Lebenserwartung von zwölf bis maximal 17 Jahren haben, gehören sie dennoch zu den fröhlichsten, denen ich je begegnet bin. Die Schwestern haben mir erzählt, dass sie den ihnen im Alter zwischen fünf und sieben Jahren sagen, dass Gott ihnen ein besonderes Geschenk gegeben hat, nämlich, dass sie sehr bald zu Gott zurückkommen dürfen. Deshalb müssen sie sich besonders bemühen, in dieser wirklich kurzen Zeit auf Erden ihre ganze Liebe weiterzugeben. Die Kinder sehen das als ihre Aufgabe an und gehen fröhlich und liebevoll miteinander um und leben ein ganz normales kindliches Leben. Sie gehen auch in die Schule. Nur ihre Lehrer wissen, dass sie Aids haben. Wenn es ausbricht, sterben sie dann in der Regel innerhalb von zwei Monaten.
Einerseits wird die Situation als etwas Aussichtsloses dargestellt, gleichzeitig übersieht man sie gerne. Wie bewerten Sie die Aids-Lage in Afrika?
In Afrika kommen unheimlich viele unterschiedliche menschliche Dramen hinzu, sodass Aids eigentlich nur ein Übel unter vielen ist, neben dem Bildungsproblem, den sanitären Problemen oder den Sozialproblemen. Warum hat sich Aids so schnell in Afrika verbreitet? Weil die Afrikaner kulturell kaum moralische Regeln haben, die sie vor Promiskuität (Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern) schützen. Die meisten afrikanischen Stämme haben nicht unsere Familienvorstellung von Vater, Mutter, Kind. Die Familie besteht eigentlich nur aus Mutter und Kind; die Vater-Verantwortung wird oft nicht wahrgenommen wird. Die Mutter hat zumeist keinen fixen, sondern mehrere sexuelle Partner. Dadurch scheint die Offenheit der Frau für Promiskuität schon von Natur aus gegeben zu sein. Wenn da nicht Bildung oder religiöse Überzeugungen verständlich machen, dass Aids gerade durch dieses Verhalten gefördert wird, dann entsteht Hilflosigkeit. Neben Armut und mangelnder medizinischer Versorgung ist das wahre Problem, dass das Grundverhalten in Afrika für diese Art von Infektion offen war und noch ist. Solange nicht eine Änderung dieses Verhaltens stattfindet, wird sich an dieser Tragödie auch nichts ändern. Mit Kondomen wird diese Problematik jedenfalls nicht gelöst. Es wird eine „Scheinsicherheit“ erzeugt, bei der man sagt: „Na gut, dann ist das eben so“, und gibt sich damit zufrieden.
Was wäre eine realistischere Lösung?
Um eine mögliche Lösung zu finden, müssen wir bereit sein, die Situation und ihre Ursachen tiefer verstehen zu lernen. Der Schlüssel ist aber sicherlich die Bildung. „Use your brain and not condoms.“ Wer zu verstehen beginnt, sieht, dass Treue zwischen zwei Partnern und Enthaltsamkeit vor der Ehe die einzig realistische Lösung ist.
Viele argumentieren gegen diese Lösungsmöglichkeit, da dies den Menschen in Afrika nicht zumutbar sei, und daher nicht funktionieren würde. Wie sehen Sie das?
Also, ich halte das für sehr präpotent, wenn wir Europäer den Afrikanern sagen wollen, was für sie zumutbar ist und was nicht! Sind nicht auch sie für ihr Leben verantwortlich? Was sie können und nicht können, das sollen sie selbst entscheiden dürfen. Ich meine, dass diese neue Forderung nach einem klugen Umgang mit Sexualität in begleitender Anleitung, in einem Familienverband, in einem Pfarrverband und in einem Freundeskreis, wo gebetet wird, möglich ist. Warum auch nicht? Liebe ist immer möglich – nicht immer einfach. Ja, es stimmt, reife Liebe ist eine übermenschliche Forderung, nicht nur für Afrikaner, auch für alle anderen Menschen. Doch mit echter Spiritualität ist es umsetzbar.
Das heißt, es ist möglich?
Ja, natürlich! Es ist wichtig, die Pfarrstruktur auszurüsten und ihr zu helfen, Orte zu schaffen, wo sich Menschen treffen können, um ihnen Unterkünfte und ein Minimum an Pflege zukommen zu lassen. Aber nicht weil wir ihnen dabei helfen wollen, ihre Krankheit einfach zu vergessen, damit sie dann dasselbe Leben wie vorher weiterführen, sondern damit sie die Liebe kennen lernen, die ihr Leben erfüllen kann und die sie auch befähigt enthaltsam zu leben.
Mutter Teresa, die Sie ja lange Zeit begleiten durften, wird weltweit als großes Beispiel und Vorbild für die Liebe angesehen. Was war ihr Geheimnis?
Sie hat sehr viel gebetet. Sie hat die Kraft ihrer Liebe aus einer tiefen Verbindung mit Gott bekommen. Sie hat immer wieder darauf hingewiesen, dass alles, was sie tut, Gottes Werk ist und nicht ihr eigenes. So sagte sie einmal: „ER wirkt durch mich. Ich setze ihm keinen Widerstand entgegen. Und wo ich kann, da arbeite ich mit.“ Das war ihr Geheimnis. Der Mensch ist klein und schwach, aber es sind nicht wir, die etwas bewegen. Wenn der Mensch sich freiwillig in Gottes Hand begibt, denn Gott zwingt keinen dazu, dann wird er von einer geheimen Kraft erfüllt, die übermenschliche Dinge zulässt.
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Und sowas von einem Missionar? Würde ja beinahe selbstkritisch klingen, wenn der Teil danach nicht käme.
Mit welcher Präpotenz und Arroganz seit Jahrhunderten erfolgreich versucht wurdem uralte Strukturen aufzubrechen und durch ein christliches Weltbild zu ersetzen ist ja schon so absurd, dass man es kaum glauben kann. Dann aber plötzlich mit Selbstbestimmung zu kommen, ist gelinde gesagt, ein wenig befremdlich.
Ich nehme einmal an, dass du als aufgeklärter, zivilisierter Mensch deine Triebe unter Kontrolle halten kannst, wenn du es willst. Wir Menschen sind ja keine Tiere. (auch wenn ich eine Tierfreundin und -schützerin bin)
Falls ich jetzt irgendwie deine Meinung heruntergemacht habe, nicht ernst genommen habe oder so, nimm es mir nicht übel, das will ich nicht, ich schreibe nur meine Meinung und akzeptiere andere Meinungen, sofern diese niemanden beleidigen.
Und übrigens, ich sehe uns Menschen allerdings als Tiere. Tiere mit Bewusstsein und manchmal einem recht guten Modebewusstsein, aber trotzdem noch Tiere.
Außerdem, was Triebe, Instinkte und Unterbewusstsein betrifft, beschäftige dich doch einmal mit Sigmund Freud! Ich weiß darüber auch nur ein bisschen, aber das wird sich hoffentlich bald ändern.
Allerdings weiß ich noch immer nicht, was genau dein Einwurf bezüglich des philosophischen Bewusstseins des Menschen mit meinem Kommentar über das Interview zu tun hat.
Kannst du mich dahingehend aufklären?
Meine Kommentare wurden veranlasst von dem Satz “Mit welcher Präpotenz und Arroganz seit Jahrhunderten erfolgreich versucht wurdem uralte Strukturen aufzubrechen und durch ein christliches Weltbild zu ersetzen ist ja schon so absurd, dass man es kaum glauben kann. Dann aber plötzlich mit Selbstbestimmung zu kommen, ist gelinde gesagt, ein wenig befremdlich.”
Darin liegt die Wurzel allen Übels, nicht in der Tatsache, dass Kondome nicht oder schon verwendet werden.
