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AIDS
Ein Brief eines AIDS-Kranken an einen Jugendlichen
Als Jugendlicher praktizierte Dominique Morin die freie Liebe, und zog sich dabei HIV zu. Heute tritt er für die Freiheit zur Liebe ein: für Keuschheit, Freundschaft und Treue.
„Meine Eltern trennten sich, als ich vier Jahre alt war, und ich landete in einer Vorstadt. Mit 16 begann ich zu rebellieren. In Amsterdam probierte ich Cannabis. Zwischen 17 und 19 nahm ich Drogen. Mit 18 hatte ich den ersten sexuellen Kontakt zu einem Mädchen. Danach zu vielen Mädchen: eine Erfahrung der Lust, aber immer auch des Scheiterns. Eine von ihnen übertrug mir HIV.
Als Anarchist (in den Studentenrevolten der 60er Jahre) übte ich zwei Jahre lang politische Gewalt aus. Beinahe hätte ich jemanden getötet. Ich bekam Angst und schrie um Hilfe. Das war mein erstes Gebet, das Gebet eines Armen.
Mutig flüchtete ich zu meiner Mutter und hörte mit Drogen, Sex und Gewalt auf. Beim Militärdienst habe ich den Glauben meiner Kindheit wieder entdeckt. Nach einer Lebensbeichte, bei der Gott mich von meiner Vergangenheit befreite, war ich durch seine Liebe bezwungen.
Ich hatte noch nie so etwas wie wahre Freundschaft zu einem Mädchen gekannt. Nun durfte ich durch echte Freundinnen die Keuschheit entdecken. Ich war 34, als ich davor stand, eine von ihnen zu heiraten. Aber ich erfuhr, dass ich seit 13 Jahren AIDS hatte, und dass ich daran sterben würde...“
Vor dem Hintergrund seiner eigenen, schmerzvollen Erfahrung hat Dominique Morin den Glauben an die wahre Liebe wiedergefunden. In dem folgenden Brief wendet er sich an einen jungen Menschen von heute und spricht offen an, was viele nicht zu sagen wagen.
In meiner Jugend habe ich mit den Mädchen Liebe gespielt. Keine von ihnen habe ich wirklich geliebt und respektiert, ich habe vor allem egoistisch gespielt und schnell aufgehört an die Liebe zu glauben. Eines Tages habe ich mich bekehrt und mein Verhalten geändert. So habe ich den Glauben an die Liebe wiedergefunden durch wahre Freundschaften und dank der Keuschheit ohne sexuelles Verlangen. Ich wollte ein Mädchen heiraten, das ich noch immer liebe, als ich entdeckte, dass ich mir in diesen Jahren der Ausschweifung AIDS zugezogen hatte. Ich habe mich also entschieden, auf die Ehe zu verzichten.
Wenn man mit mir von Vorbeugung spricht, dann sehe ich nun viel weiter als AIDS. Indem ich, ohne Regeln anzuerkennen, mit der Liebe spielte, habe ich meine Fähigkeit zur Fruchtbarkeit und zur Selbsthingabe verloren, die zum Aufbau eines gemeinsamen Lebens notwendig sind. Wem könnte ich dieses Unglück wünschen, ganz zu schweigen von AIDS?
Die sexuelle Ausschweifung und die Praktiken gegen die Natur verbreiten AIDS. Das Kondom spornt nicht dazu an, sich davon zu entfernen, sondern es beschränkt lediglich die Risiken. Ist das eine seriöse Vorbeugung? Anstatt die Liebe zu einem gefährlichen Spiel zu reduzieren, denk lieber daran, deine Beziehung auf feste Freundschaft zu bauen. Die Zukunft ist schon morgen! Eingesperrt in enttäuschende Beziehungen, die ihre Versprechen nicht halten, von einem Partner zum anderen schreitend, verletzt du dein Herz und deinen Körper. Die freie Liebe ist eine tödliche Illusion. Schau dir all ihre Opfer an und füge jene der Abtreibung noch hinzu, wohin manchmal Kondom und Verhütungsmittel, welche so ihre Grenzen zeigen, führen.
Was uns die Kirche vorschlägt, ist, die Liebe zum Träger der Freude und des Friedens zu machen, indem wir sie durch die Anforderungen der Wahrheit und der Gerechtigkeit für das Leben öffnen. Wegen AIDS kann ich mich der Frau, die ich liebe, nicht ganz hingeben, ohne sie in Gefahr zu bringen. Die einzige Wahrheit von AIDS sind die Lüge, die Angst und die Einsamkeit am Ende des Weges. Den Jugendlichen nur vom Vergnügen, das nicht wirklich liebt und Risiken eingeht, zu erzählen, ist der logische Schluss einer Gesellschaft, die nicht mehr von der wahren Liebe spricht.
Man muss nicht katholisch sein, um zu erkennen, dass es zutiefst ungesund ist, die Liebe mit Misstrauen und mit der hinter dem Kondom versteckten Angst zu verbinden. Wenn du Vergnügen willst, dann nimm die Risiken und die Vorsichtsmaßnahmen auf dich, und dann viel Glück! Aber ich würde dich zu diesem mittelmäßigen Spott auf die Liebe nicht ermutigen. Die Liebe bringt nur Frieden und Freude, wenn man sie respektiert. Du und alle jungen Menschen, die man belügt, ihr habt das Recht, das zu wissen, bevor ihr euer Leben frei wählt.
Ich bin einmal Fallschirm gesprungen. Aber hätte ich das getan, wenn man mich zuvor gewarnt hätte, dass der Schirm, den ich benutzen würde, beschädigt ist, dass aber das Risiko, dass er im Flug reißen würde, sehr gering ist? Das Vergnügen des Sprunges hätte mich stark gedrängt, das Risiko wäre minimal, aber ich wäre lieber am Boden geblieben. Kein Vergnügen verdient es, dafür sein Leben zu lassen. Mit dem Kondom verschweigt man dir, dass das Risiko bei jedem Mal besteht und dass es eines Tages auch dich treffen kann. Durch die vielen Personen, die einen Misserfolg erlebt haben, ist mir klar geworden, dass diese Art der Vorbeugung nur begrenzt wirksam ist.
Zuletzt, wer sind die Ahnungslosen? Jene, die dich zum Risiko verleiten und dir somit die Hölle bereiten, oder jene, die dich zum Nachdenken einladen und dazu, die Liebe nicht zu einem Risiko zu reduzieren? Die katholischen Aussagen werden verschwiegen oder verdreht. Aber hast du nicht das Recht, die ganze Wahrheit zu kennen, bevor du Gefahren auf dich nimmst, die du letztlich allein tragen musst?
Die Kirche spricht immer vernünftig und realistisch. Sie versucht nicht, sich anzupassen, auch wenn der Zeitgeist sich aufdrängt und empfiehlt, nur allen Wünschen zu folgen. Sie erinnert uns in guten und schlechten Zeiten daran, dass wir uns nicht über die Liebe lustig machen können, ohne dabei ein tödliches Risiko für unseren Leib, unser Herz und unseren Geist einzugehen. Für sie ist das Gute in den Seelen wichtiger als die Befriedigung der Bedürfnisse. Nur wer diese Gebote der Liebe erfüllt, hat die Mittel, um zum wahren Glück zu gelangen.
Wähle die Freiheit, im Vertrauen und in der Wahrheit zu lieben! So wirst du dem Leben entgegengehen, anstatt durch die Suche nach dem Vergnügen um jeden Preis der Lüge und dem Tod zum Opfer zu fallen.
Dominique Morin
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