Es war ja noch niemand drüben… Oder doch?

Wir befinden uns in einer Einkaufsstraße in Wien. Wir befragen Jugendliche auf der Straße, ob sie schon etwas von Nahtoderfahrungen gehört haben. Die meisten haben keine Ahnung. Aber tatsächlich, als wir eine Schülergruppe aus Salzburg fragen, ruft einer gleich: „Meine Oma hat das gehabt!“ Wir sind erstaunt. „Sie hat von einem Tor erzählt, das aufgegangen ist, und dann kam da ein Tunnel…“ Innerhalb von zwei Stunden Straßenbefragung haben wir also wirklich jemanden gefunden, der mit so einer Erfahrung zu tun hatte. Kein schlechter Schnitt. Vielleicht kommt es häufiger vor, als ich dachte?

„Es gibt viel mehr Menschen mit einer Nahtoderfahrung, als man weiß.“ Regina Stellner ist junge Lehrerin mit 29 Jahren und wohnt in Neuötting in Deutschland. Sie hat sich im Rahmen ihres Studiums in einer Arbeit eingehend mit dem Thema Nahtod beschäftigt. Nachdem ich zufällig das kleine Buch mit ihrer Arbeit in die Hände bekommen hatte, beschloss ich, ihr einen Besuch abzustatten, um mehr über das Thema zu erfahren. „Viele Menschen sprechen nicht darüber. Einerseits weil sie nicht als verrückt angesehen werden möchten, andererseits weil es so eine persönlich starke Erfahrung war.“ Regina hat innerhalb weniger Monate aber dennoch sieben Personen gefunden und persönlich getroffen, die ihr von „drüben“ erzählen konnten. Fünf von ihnen hat sie in ihr Buch aufgenommen.

Was sind Nahtoderfahrungen?

Ich frage Regina zuerst, was man sich nun unter Nahtoderfahrungen vorstellen kann. Es geht anscheinend darum, dass Menschen in Todesnähe manchmal eine Erfahrung von einer anderen Welt haben. Regina erklärt: „Die Betroffenen beschreiben das so, dass ihre Seele in gewisser Weise den Körper verlässt und in eine andere Wirklichkeit eintaucht. Manche sehen diesen bekannten Tunnel und gehen auf ein Licht zu. Manche sehen Verstorbene, andere sehen sogar Jesus. Wieder andere erleben eine Art Lebensrückblick.“ Viele würden auch erleben, dass sie sozusagen von oben auf ihren Körper hinabschauen, der unten da liegt. Das Interessante dabei ist, dass diese Menschen ganz fest davon überzeugt sind, dass es kein Traum war, denn das Erlebnis war so deutlich und stark, wie auch jedes andere Erlebnis.

Wirklichkeit oder Halluzination?

Wie kann man jedoch wissen, ob es sich nicht vielleicht doch um ein Hirngespinst handelt oder um eine psychische Einbildung? So frage ich, welchen Eindruck diese Menschen denn so im Allgemeinen gemacht haben. Bei ihrer Antwort ist Regina ganz überzeugt: „Die waren alle sympathisch, offen, und es war keine Schwierigkeit, in ein Gespräch zu kommen. Mehr noch, mir ist aufgefallen, dass diese Menschen, die ich getroffen habe, ein gewisses Leuchten gehabt haben, eine Ausgeglichenheit, auch wenn nicht alles leicht in ihrem Leben war.“ In ihrer Arbeit hat sich Regina auch mit Forschungen und wissenschaftlichen Studien beschäftigt. Obwohl es einen direkten wissenschaftlichen Beweis letztlich nie geben wird, hat sie dennoch von höchst interessanten Beobachtungen gelesen. So haben zum Beispiel blinde Menschen berichtet, dass sie während einer Nahtoderfahrung sehen konnten. Im Anschluss konnten sie sogar beschreiben, welches Gewand die Menschen in dem Raum, in dem sie gelegen sind, getragen haben. Andere Betroffene berichten wieder von Ereignissen oder Gesprächen, die während ihrer „Reise“ in anderen Räumen passiert sind. So gab es auch Wissenschaftler, die zuerst nicht an Nahtoderfahrungen geglaubt haben, die durch ihre Untersuchungen dann aber zu der Meinung gekommen sind, dass da etwas dran sein muss.

Wie ist es im Himmel?

Die Erfahrungen sind sehr unterschiedlich und doch gibt es gewisse Ähnlichkeiten. Aber weiß man nun, wie der Himmel aussieht? „Ich bin vorsichtig mit der Behauptung, dass es genauso aussieht oder dass es schon der endgültige Zustand ist“, kommentiert Regina. „Nahtoderfahrungen geben hier nur einen kleinen Einblick. Sie zeigen nicht, wie der Himmel im Endeffekt ist, aber sie geben einen Vorgeschmack auf den Himmel. Das ist für viele Menschen ein großer Trost und eine Glaubensstärkung.“ Wie sind dann solche Erfahrungen aber einzuordnen? Regina: „Ich glaube, dass Gott das manchen Menschen schenkt, damit wir ein wenig mehr Ahnung davon haben, was uns nach dem Tod erwartet. Wir brauchen vielleicht manchmal so eine Bestätigung, dass es weitergeht, und eine Vorstellung, wie es ungefähr sein könnte.“ Was die Beschäftigung mit dem Thema ihr selber gebracht hat? „Ich habe immer schon geglaubt, dass es ein Leben nach dem Tod gibt“, so die junge Lehrerin. „Aber die Beschäftigung mit dem Thema hat mir noch mehr Gewissheit gegeben. Und man freut sich irgendwie darauf. Wenn man mal gehen muss, dann weiß man, dass es danach wunderbar ist. Ich kann auch seither besser damit umgehen, wenn Menschen sterben, da ich mir immer denke, wie wunderschön sie es haben.“

Die Erfahrung der Franziska B.

Die Geschichte von Franziska hat Regina zum Beispiel besonders berührt. Diese war bei ihrer Nahtoderfahrung 72 Jahre und Regina traf sie nur ungefähr drei Monate später. „Franziska war bei unserem Gespräch noch so ergriffen, dass sie kaum darüber sprechen konnte. Sie hat echt vermittelt, wie schön der Himmel ist“, so Regina. Sie hatte einen Schlaganfall gehabt und im Spital gab man ihr kaum noch Überlebenschancen. Aber sie überlebte und berichtet nun, wie sie den Himmel gesehen hat: „Ich hab keinen Schmerz oder Angst verspürt. Ich war glücklich. Ganz glücklich! Es gibt keine Worte in dieser Welt, die das ausdrücken könnten. Das war so eine Glückseligkeit, man kann es nicht beschreiben! Und dieses Licht! Mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke – so etwas Schönes! Meine Eltern, sie waren einfach da! Papa und Mama! Richtig gesehen hab ich sie! Es war so schön, dass sie da waren. Meine Mama starb, als ich drei Jahre alt war. Aber ich hab einfach gewusst, dass sie es ist. Der Opa, der hat wieder seine wilden Haare gehabt, genauso, wie er sie früher hatte. Und dann mein Bruder, er starb mit 21 nach einer schweren Krankheit. Sie sagten nichts. Es hat genügt, dass sie da waren. Ich merkte, dass sie glücklich waren – ganz, ganz glücklich! Dann war da noch die Gottesmutter. Sie war noch näher da bei mir, als die anderen. Und dann dieses Licht, es gibt keine Worte dafür, wie glücklich man da ist, das kann man in dieser Welt nicht werden. Es gibt die Worte nicht und es gibt das Glück nicht in dieser Welt. Und ich dachte nur: Mei, warum darf ich denn nicht bleiben? Ich wollte so gern bleiben, aber ich hab gewusst, das darf noch nicht sein.“ Franziska B. kam also wieder zurück, mit einer engeren Verbindung zu Gott und zur Gottesmutter und mit einer großen Gewissheit: „Das war kein Traum! Das weiß ich ganz gewiss.“

Neue Studie

Ende letzten Jahres ist die sogenannte AWARE-Studie herausgekommen, die untersucht, wie lange unser Unterbewusstsein nach einem Herzstillstand noch weiter funktioniert und was man in dieser Phase des Sterbens noch alles mitbekommt. Patienten, die überlebten, berichten von Geräuschen, Gedanken und Vorgängen, die während ihrer Wiederbelebungsversuche geschehen sind.

Du möchtest Genaueres wissen? Dann google am besten „AWARE-Studie“ und du wirst einige Berichte darüber finden.

Foto: (c) photocase

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