Der Dreifaltigkeits-Code
Wollte Gott uns Spuren hinterlassen?
Gibt es so etwas wie einen Code hinter unserem Leben? Hat Gott uns bei seiner Schöpfung vielleicht Hinweise hinterlassen wollen, damit wir das Leben besser verstehen können? Wenn ja, wie können wir diese deuten? Als wir begonnen haben, in diese Fragen einzutauchen, waren wir sehr fasziniert, welche interessante Spur sich plötzlich überall in der Schöpfung und in unserem Leben finden ließ. Dieser Artikel ist sicher nicht die Entschlüsselung des Lebens, aber die Untersuchung einiger durchaus beeindruckender Zusammenhänge. Bist du dabei?
Stell dir einmal vor, Gott überlegt am Anfang der Zeit, die Welt und den Menschen zu schaffen. Er möchte dabei, dass diese Menschen die Möglichkeit haben, ihn kennen zu lernen, zu entdecken, wie er ist. Er möchte, dass sie wissen, was sie tun müssen, um ihr Ziel zu erreichen. Und er möchte, dass sie ihn lieben. Was könnte er deiner Meinung nach tun? Wie würdest du es anstellen, dass diese Wesen, die du erschaffen hast, etwas von dem begreifen, was dir am wichtigsten ist? Du würdest doch alle Dinge so gestalten und machen, dass sie einen Hinweis darauf geben. Einfach überall eine versteckte Botschaft hinterlassen. Vielleicht so etwas wie einen geheimen Code…
Jemand, der einen Code kennt, dem öffnen sich Türen, dem werden Dinge auf einmal klar, die vorher unverständlich waren. Es ist wie ein Rätsel, das auf einmal gelöst ist. Gott geht es bestimmt nicht darum, uns Rätsel aufzugeben, die wir dann nicht lösen können. Er hat uns immerhin die Lösung bereits auch durch sein Wort mitgeteilt. Aber, wie wir wissen, macht es uns nicht ganz zufrieden, wenn wir für ein Rechenbeispiel einfach nur die Lösung gesagt bekommen. Wir wollen auch die Zusammenhänge entdecken und verstehen, wie es zur Lösung gekommen ist, zumindest ein wenig.
Die Lösung?
Was wissen wir aber schon mal über die Lösung? Wir wissen, dass Gott „dreifaltig“ ist – Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist. Beginnen wir doch jedes Gebet „im Namen des Vater, des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Wir wissen das, weil Gott Sohn in Jesus Christus ein Mensch geworden ist, und uns mitgeteilt hat, wie Gott ist. Dieses große Geheimnis der Dreifaltigkeit, Gott, der eins ist in drei Personen, der Einheit und Verschiedenheit in einem ist, darin verbirgt sich letztlich das ganze Verständnis zu unserem Leben. Am Anfang der Bibel bei der Erschaffung der Welt heißt es nämlich: „Gott schuf den Menschen als sein Abbild.“ Wenn wir also wissen wollen, wie wir als Menschen „funktionieren“, dann müssten wir das an Gott entdecken können, der dreifaltig ist, einfach weil wir sein „Abbild“ sind, weil er uns nach seinem Bild erschaffen hat.
Und wie ist Gott? „Gott ist die Liebe.“ So steht es im ersten Johannesbrief. Ein Gott, der nur Einheit wäre, der einsam ist, kann aber nicht Liebe sein. Professor Pater Karl Wallner aus Heiligenkreuz, den wir gefragt haben, sagt: „Zur Liebe brauchst du immer ein Gegenüber. Zum Ich brauchst du ein Du, das sich im Wir übersteigt, und genau das hat Gott uns geoffenbart. Gott ist in sich Ich, Du und Wir, Vater, Sohn und Heiliger Geist.“ Als die Menschen damals Jesus gefragt haben, was denn das Allerwichtigste im Leben ist, antwortete er: „Gott aus ganzem Herzen zu lieben und den Nächsten wie sich selbst.“ Mit anderen Worten sagt Jesus: „Wenn ihr wissen wollt, wie ihr als Menschen funktioniert, dann müsst ihr die Liebe leben, weil ihr nach Gottes Abbild erschaffen seid, der Liebesgemeinschaft ist, der die Liebe ist.
Die Liebe ist also so etwas wie Gottes übernatürliches Grundgesetz, um das sich alles dreht. So wundert es uns nicht, dass wir das bereits auch in der materiellen Schöpfung entdecken. Was ist zum Beispiel das grundlegendste Naturgesetz der Materie? Dass zwischen zwei Massen eine Anziehungskraft existiert, die Gravitation. Darum bleiben die Sterne und Planeten auf ihrem Platz im Weltall. Darum fallen wir nicht von der Erde, wenn wir in Australien sind. Interessant oder? Und dann kennst du natürlich auch diese innere Anziehungskraft, die wir zu einem anderen Menschen verspüren können. Die grundlegende Wirklichkeit in unserem Universum ist, so könnte man sagen, die Anziehung. Oder eben die Liebe. Aber wie leben wir als Menschen diese Anziehung richtig? Wir sind ja als lebendige Wesen viel mehr als zwei bloße Massen. Wir wissen bereits, dass wir „Abbild Gottes“ sind. Wie sieht daher die Liebe bei Gott aus? Wenn wir das herausfinden, wäre das dann nicht so etwas wie der Code für das gesamte Leben?
In einem sehr alten Hymnus, der heute noch am Dreifaltigkeitssonntag von der Kirche gebetet wird, heißt es:
„Erhabene Dreifaltigkeit, im einen Licht der Gottheit eins, unendliches Geheimnis du und tiefster Ursprung allen Seins. Dich rühmt des Himmels hehre Schar, ihr Lied ruft deinen Lobpreis aus, dir jubelt deine Schöpfung zu, der du dein Bildnis aufgeprägt.“
Hier finden wir wieder diesen Hinweis auf die Dreiheit in Einheit. Und dann heißt es weiter: „Dir jubelt deine Schöpfung zu, der du dein Bildnis aufgeprägt.“ Hast du schon einmal bemerkt, dass wir bei den ursprünglichen Dingen in unserer Welt sehr oft dieses Modell „drei in eins“ finden? Beginnen wir einmal ganz im Kleinen. Besteht nicht das Atom als das Grundteilchen aller Materie aus drei Bausteinen, aus Elektronen, Protonen und Neutronen? Und Materie existiert wiederum in drei Zustandsformen: fest, flüssig und gasförmig. Aller guten Dinge sind drei, heißt es in einem Sprichwort.
Gott ist nicht einsam. Er ist dreifaltig. Vater, Sohn und Heiliger Geist. Ein Gott in drei Personen.
Viele alte Kirchen besitzen in ihrer Bauform drei Kirchenschiffe. Das haben die damaligen Erbauer bewusst als Hinweis auf die Dreifaltigkeit so gemacht. Wenn nun schon die Menschen solche kleinen versteckte Hinweise auf das Wesen Gottes gegeben haben, um wie viel mehr scheint es logisch, dass auch Gott in seiner Schöpfung seine Spuren hinterlassen hat. Es ist auf jeden Fall faszinierend, wie viele Dinge wir da entdecken können.
Wie viele Dimensionen gibt es im Raum? Drei. Höhe, Breite, Tiefe. Durch die drei Koordinaten (x,y,z) kannst du jeden Punkt im Raum exakt bestimmen. Oder die Zeit: Es gibt Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Alles hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende – das haben schon die Philosophen erkannt. Nur ein Tisch mit drei Beinen wackelt nie. Eine Leiter auf zwei Beinen fällt um, wenn sie nicht an einem dritten Punkt angelehnt ist. Durch die Farbwahrnehmung des Menschen gibt es die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau. Und in der Musik ist der Dreiklang der einfachste Grundakkord.
Aber es geht noch weiter: Zu unserer Erde gehören ein Mond und eine Sonne, die irgendwie in Beziehung zueinander stehen. Auf der Erde gibt es wiederum drei Lebensräume: das Land, das Wasser und den Himmel. Es gibt drei Arten von Lebewesen: Pflanzen, Tiere, Menschen. Beim Menschen selbst unterscheiden die Philosophen drei Lebensniveaus: das vegetative (dass wir wachsen und uns fortpflanzen), das sensible (der Bereich der Sinne und Gefühle), und das spirituelle (das betrifft unsere geistige Ebene, den Willen und den Verstand).
Beginnt man da nicht zu staunen, wenn man das einmal bewusst beobachtet? Es ist, als ob der Schöpfer dieser Erde bei vielen grundlegenden Dingen einen Hinweis auf seine Dreifaltigkeit hinterlassen wollte. Wie hat es in dem Hymnus geheißen? „Dir jubelt deine Schöpfung zu, der du dein Bildnis aufgeprägt.“
1+1+1=3
Noch mehr nun als alle diese Beispiele und Bilder hat Gottes innerstes Grundgesetz von „drei in eins“ eine Bedeutung für unser geistiges Leben. Wir haben uns ja gefragt, wie das mit der Liebe in Gott aussieht, damit wir ein wenig mehr verstehen, wie wir eigentlich so ticken. Gott ist eben dreifaltige Liebesgemeinschaft, und unser ganzes Wesen ist nach seinem Bild angelegt. Aber wie soll man das mit der Dreifaltigkeit verstehen? Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist sind ja nicht drei Männer, von denen einer einen langen Bart hat. Professor Pater Karl Wallner sagt: „Man soll sich Gott überhaupt nicht vorstellen. Der Heilige Geist ist auch kein Vogel. Nur von Jesus Christus haben wir ein Bild. Er ist die Selbst-Abbildung von Gott in die Welt hinein. Nämlich in der Form der Liebe. Ein Mensch, der die Liebe lebt. Er ist Gott, der die Liebe ist.“
Aus der Bibel und durch die Kirche wissen wir ja, dass die Liebesgemeinschaft in der Dreifaltigkeit darin besteht, dass der Vater der Ursprung und Initiator der Liebe ist, der Sohn die Liebe empfängt und beantwortet, und dass aus beiden als Frucht der Heilige Geist hervorgeht. Das darf man sich aber nicht irgendwie menschlich oder zeitlich vorstellen, vielmehr soll es beschreiben, dass es in Gott eine Dynamik gibt. Alle Bilder, die wir angeschaut haben, waren ein Hinweis auf Gottes Dreiheit. Aber es gibt ein Bild, das uns auch diese innere Dynamik widerspiegelt. „Das tiefste Abbild der Dreifaltigkeit ist sicher die Mann-Frau-Kind-Beziehung“, so Pater Karl. „Wir sehen Mann und Frau, die einen Bund eingehen, die voneinander angezogen werden, und aus ihrem Einswerden entsteht sogar biologisch eine neue Wirklichkeit, ein Kind.“
An der Familie, an Vater, Mutter, Kind, sehen wir also ein bisschen die Beziehung der Dreifaltigkeit. Als besonderes Beispiel natürlich die Heilige Familie, Maria, Josef und Jesus. Gleichzeitig können wir an der Dreifaltigkeit ablesen, wie wir eine Familie leben sollen. Oder auch die übernatürliche Familie der Kirche. Die Kirche entstand nämlich unter dem Kreuz, wo es drei Personen gab. Hier stand Maria, die Mutter Jesu, und bei ihr der Jünger Johannes als Vertreter der Kirche. „Frau, siehe dein Sohn!“ Das waren die Worte Jesu. Die Kirchenlehrer sagen uns, dass durch die Vereinigung von Jesus und Maria unter dem Kreuz die Kirche sozusagen „geboren“ wurde, und Maria zur Mutter der Kirche wurde.
Aus dem Geheimnis der Dreifaltigkeit können wir wirklich ganz entscheidende Sachen mitnehmen. Es ist tatsächlich eine Art Code, der uns in vielen Dingen ein neues Verständnis bringen kann, sowohl für unser eigenes Leben, genauso wie für unsere Freundschaften und Beziehungen, als auch für die Beziehung zu Gott. Überall lässt sich entdecken: Wir sind letztlich dreidimensional angelegt. Ein Mensch kann nicht glücklich werden einsam und allein. Wer nur auf sich schaut, seinen eigenen Vorteil sucht, der wird nie zufrieden sein. Er muss sich öffnen auf ein Du, sonst bleibt er eindimensional auf sich bezogen.
Genauso müssen wir darauf achten, dass unsere Beziehungen nicht nur zweidimensional bleiben. Wir kennen das sicher von jungen Verliebten, die manchmal so sehr auf sich fixiert sind, dass sie die Umgebung völlig vergessen. Nichts kann man mehr mit ihnen anfangen. Sie kleben dermaßen zusammen, dass man sich in ihrer Nähe immer als störend empfindet. Es fehlt ihnen noch diese Offenheit auf die dritte Dimension. Die Liebe besteht darin, dass aus zwei drei wird. Und das meint nicht nur unbedingt ein Kind. Es geht prinzipiell um die Offenheit nach außen hin, für die anderen. Zusammen für die anderen da sein. Der Dreifaltigkeits-Code würde uns sagen, dass die Liebe erst dann wahr und komplett ist, wenn aus dem Ich und Du eine neue Offenheit wird. Überprüfen wir mal, wie das in unserem Leben so aussieht.
Diese drei Dimensionen gelten nicht nur für jene, die in einer Beziehung sind. Jeder soll das leben. Der Single, das Ehepaar, der Priester, die Ordensschwester. Denn jeder ist dazu berufen, in der Beziehung zu Gott zu leben, und daraus „Frucht zu bringen“. Jesus spricht darüber im Johannesevangelium im Kapitel 15. Er sagt, dass wir aus der Beziehung zu ihm Frucht bringen sollen. „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ Gottes Liebe ist dreifaltig, sie ist immer fruchtbar, aus zwei wird drei. Wir sind nicht nur für uns selbst da. Und eben auch eine Beziehung ist nicht nur für sich selbst da. Sie ist hingeordnet auf etwas Drittes, in erster Linie auf Gott, aber auch auf die anderen, auf ein Kind, auf ein Werk… Wer nur für sich lebt, der steht auf wackeligen Beinen wie eine freistehende Leiter. Sie wird irgendwann einmal umfallen.
Natürlich
Kommen wir noch einmal zu einer interessanten Beobachtung der Natur. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass der Mensch grundsätzlich symmetrisch aufgebaut ist? Wir haben zwei Beine, zwei Hände, zwei Nasenlöcher, zwei Augen. Auch diese Dinge sind nicht zum Selbstzweck da. Die beiden Hände zum Beispiel sind nicht nur dazu da, dass sie ausschließlich verschränkt bleiben. Sie sind vielmehr da für ein Werk, um etwas zu tun, um „Frucht zu bringen“. Aus zwei wird drei. Wo aber haben wir interessanterweise an unserem Körper, äußerlich gesehen, keine „doppelte Ausführung“? Ganz offensichtlich bei den Geschlechtsorganen. Hier sehen wir am deutlichsten, dass wir auf Ergänzung hin gemacht sind und einen anderen Menschen brauchen, damit aus zwei drei wird. Das ist körperlich so, aber auch psychisch und emotional.
Oft gibt es ja in unserer Gesellschaft diesen Kampf zwischen den Geschlechtern. Die einen beschuldigen die anderen, die anderen fühlen sich von den einen benachteiligt und manche behaupten wiederum, dass es den Geschlechterunterschied gar nicht gibt. Die Dreifaltigkeit lehrt uns dagegen etwas sehr Schönes: Nur durch die Verschiedenheit kann aus dem Ich und dem Du eine Einheit und eine neue Wirklichkeit entstehen. Und wenn der Blick auf etwas Drittes gerichtet ist, verschwinden die Rivalitäten und man sieht, wie man sich gegenseitig ergänzen kann.
Wenn es so etwas wie einen Dreifaltigkeits-Code gibt, dann müsste er also heißen: 1 + 1 = 3. Gott hat uns nach seinem Bild geschaffen und er ist in seinem Wesen Liebe, die fruchtbar ist. Darum sagt Jesus im Johannesevangelium zu uns: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch… Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!“ Und was passiert dann? Dann beginnen wir etwas von dem vollkommenen, ultimativen Leben des dreifaltigen Gottes selbst zu leben, anfanghaft, aber real. Und ist es nicht genial, dass die ganze Schöpfung ein einziger Hinweis darauf ist?



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