Die Farbe des Horizonts – 4.000 Meilen vom Leben entfernt

Du wachst auf im Inneren eines zerschmetterten Bootes, bei jeder Bewegung ächzt das Wrack, schaukelt unstabil hin und her und in einem Gemisch aus Meerwasser und deinen schwimmenden Habseligkeiten kannst du kaum Gleichgewicht halten. Das letzte Mal, als du bei Bewusstsein warst, hast du mit deinem Verlobten in einem heftigen Sturm ums Überleben gekämpft. Und dann die Welle, die sich vor euch aufgebaut hat, wie die Wand eines Hochhauses. Unausweichlich und tödlich.

Mit: Shailene Woodley, Sam Claflin
Laufzeit: 97 Minuten
Filmstart: 13. Juli 2018

Die Zukunft liegt vorne. Tami (Shailene Woodley) verlässt nach ihrem Schulabschluss ihre Heimat, um auf Reisen zu gehen. Sie ist eine sehr starke Persönlichkeit, eine aufgeweckte Frohnatur, macht jede noch so blöde Arbeit, um ihre Abenteuer finanzieren zu können und nach fünf Jahren weg von Zuhause verschlägt es sie nach Tahiti. Dort begegnet sie Richard (Sam Claflin), ein erfahrener Segler. Beide verlieben sich sofort und spüren, dass sie einfach zusammengehören, beide haben den gleichen Traum: Sie wollen die ganze Welt umsegeln und ihr Leben miteinander verbringen. Dann aus heiterem Himmel ein Job- Angebot für die beiden Abenteurer: Für ein amerikanisches älteres Ehepaar das super ausgerüstete, wunderschöne Segelboot Hazana von Tahiti nach Kalifornien übersegeln, dazu 10.000 Dollar und zwei Rückflugtickets. And the Story begins. 4.000 Meilen, 6.500km nur sie, ihr Segelschiff und die unendliche Weite des Horizonts. Romantische Sonnenuntergänge in den prächtigsten Farben, irrsinnig schöne Unterwasser-Aufnahmen und ein sehr perfekt unperfekter Heiratsantrag, der alle Mädchenherzen höher schlagen lässt.  Nichts scheint ihrem Glück im Weg zu stehen, als plötzlich ein Hurricane der Stärke 4 seinen Kurs ändert, mitten über ihnen ist und eine 12 Meter hohe Welle ihr ganzes Leben buchstäblich zerreißt.

Im Erdnussbutterhimmel. Es gibt Vegetarier, die essen Fisch, und solche, die essen keinen. Tami war so eine, die keinen Fisch gegessen hatte, bis zu dem Zeitpunkt als sie und ihr Liebster Schiffbrüchig wurden. Denn ab dann hieß es Dosenfisch zum Frühstück, Dosenfisch zu Mittag, Dosenfisch zu Abend. Wobei es sicher nicht drei Mahlzeiten am Tag gab, aber stell dir vor du wärest in ihrer Situation. Und dann stell dir vor, nach einiger Zeit des fröhlichen Fischessens findest du Erdnussbutter. Eine ganze Dose voller crunchy Erdnussbutter! Halleluja! Sogar in so einer Extremsituation kann man so manche Freude im Alltag genießen. Und ich sag es euch: In keinem Film freut sich jemand mehr über Erdnussbutter, als Tami hier.

Zwei Möglichkeiten. Lebe oder Stirb. Was dieser Film besonders gut darstellt, ist der harte Kampf ums Überleben von Anfang bis zum Ende. Jedes Detail eines Schiffsbruchs wird sehr authentisch dargestellt. Das nervös-machende laute Knarren des Wracks begleitet einen durchgehend, die Unstabilität und das Gefühl, nie auf festem Boden zu sein, die Sonne und die raue Meeresluft, die deine Haut austrocknet, Wasserknappheit, das Allein-Sein, die steigende Hoffnungslosigkeit und damit sinkende Motivation, komplette Erschöpfung. Entweder du gibst alles und schaffst es mit großer Unwahrscheinlichkeit vielleicht doch, oder du stirbst ab jetzt vor dich hin und gibst dich und dein Leben auf.

Echt real. Das Ende ist so überraschend, so ergreifend und genau deswegen vergisst man diesen Film nicht so schnell. Gerade weil der Film auf einer wahren Begebenheit beruht, überträgt man den Film auf sich selber, auf sein eigenes Leben. Man beginnt sich irgendwie zu fragen, was und wer einem in seinem Leben wichtig ist, man beginnt sich zu fragen, ob man nur so vor sich hinlebt, oder ob man wirklich alles gibt, um zu leben, im weiteren Sinne, um Heilig zu werden.
Was ich verraten kann: Auch wenn du noch nie auf einem Segelschiff warst, nach diesem Film fühlst du dich dank der Authentizität und der guten Kamera-Aufnahmen so, als hättest du das ganze Abenteuer inklusive Horror-Sturm und Flutwelle miterlebt.

Ein paar Gedanken zum Film:
Dieses Aufbrechen von Zuhause, um alles zu verlassen, komplett Neues zu erleben, sich von der Familie loszulösen ist quasi ein Trend geworden und immer mehr junge Leute wollen nach der Schule einmal weg. Es sind ja auch die Möglichkeiten gegeben.
Zum einen ist das gut, weil man durch das Loslösen wirklich erwachsener und selbstständiger wird, man lernt Verantwortung zu übernehmen und auch das Loslösen von der eigenen Familie gehört dazu. Aber eine Gefahr versteckt sich dahinter: Dass man beginnt, sein Leben für sich selbst zu leben, seine eigenen Wünsche und Träume zu erfüllen, nie wieder zurückkommen zu wollen, weil man alleine unabhängiger ist. Ja, dieses unabhängig sein wollen geht heute oft in eine sehr falsche Richtung, macht uns irgendwie auch Beziehungsunfähig und dabei sind wir Menschen daraufhin ausgerichtet in Beziehung zu leben.
Was der Film aber gut zeigt, ist, dass man sich auch auf Abenteuer einlassen muss, Entscheidungen bewusst treffen soll und wenn man mittendrin steckt, dann muss man auch alles geben und durchbeißen und darf auf keinen Fall sich selbst, sein Leben und die Hoffnung aufgeben. Und: Zu zweit ist man doch stärker als alleine.


Text: Resi Schmalzbauer / Fotos: TOBIS Filmverleih



YOU! Film-Bewertung:
(1 = Ziemlich cool, 5 = Ziemlich daneben)

Filmaussage……………………..1
Filmstory……………………………1
Filmumsetzung………………….1
Umgang mit Gewalt………….2
Umgang mit Sprache………….1
Umgang mit Sexualität………1

Insgesamt……………………1

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