Aufbruch zum Mond – (K)ein Abschied für immer?

Ein laut, bedrohlich piepender Alarm, knarrende und dröhnende Geräusche, im wahrsten Sinne des Wortes schwindelerregende Aufnahmen aus dem Innenraum eines Raumschiffs, das sich in immer höher werdender Geschwindigkeit um die eigene Achse dreht, ein Astronaut, der schweißgebadet unter unmenschlichen und fast hoffnungslosen Bedingungen versucht, das Schiff unter Kontrolle zu bringen. Das sind die ersten Minuten von Aufbruch zum Mond.

Mit: Ryan Gosling, Claire Foy, Jason Clarke
Laufzeit: 141 Minuten
Filmstart: 6. November 2018

Der menschliche Fußabdruck.
Wir befinden uns im Kalten Krieg. Amerika vs. Russland. Und beide Mächte wollen besser sein, insbesondere in der Weltraumforschung. Wer zuerst mehr erreicht, ist der Bessere. Der Film handelt von Neil Armstrong und seiner abenteuerlichen Reise auf den Mond, hauptsächlich aus seiner Perspektive. Man bekommt einen Einblick in seine Privatsphäre, sein Familienleben und in sein Cockpit. Man lernt den berühmten ersten Mann auf dem Mond von einer ganz anderen Seite kennen: Dort wo er verwundbar ist, wo er lebt und auch dort, wo er scheinbar versagt.

Verluste tapfer ertragen.
Nach gewisser Zeit wird klar, dass Abschied nehmen und loslassen eine zentrale Rolle in dem Film spielt. Die fast 3-jährige Tochter von Neil Armstrong und seiner Frau Janet stirbt an einem Gehirntumor und lässt zwei seelische Wracks zurück. Neil, der den Schmerz dieses Verlustes nicht ertragen kann, sich ganz in seiner Arbeit verkriecht und mit niemandem darüber spricht. Janet, die genauso unter dem Tod leidet, aber stark bleiben muss, um die Familie aufrecht zu erhalten, sich um die Kinder kümmert, eigentlich ein normales Leben erhofft hätte, aber in immerwährender Sorge lebt, ob ihr Mann den Arbeitstag überlebt, oder ob sie ihren zwei Söhnen eines Tages sagen muss, dass er nie wieder heimkommen wird. Und ihre Sorge ist berechtigt, denn die Arbeit als Weltraumforscher bei der NASA fordert so manches Opfer.

„Noch Fragen?“
Durch seine Arbeit vernachlässigte Armstrong Frau und Kinder und schien das traute Heim zu zerstören. Eigentlich liebte er seine eigene Familie über alles, verlor aber mit der Zeit das Gespür für das wirklich Wichtige in seinem Leben. In einer Szene ist das ganz deutlich zu sehen. Armstrong wollte sich von seinen Kindern nicht verabschieden, die schlaflos im Bett lagen, auf ihren Vater und auf seine Liebe warteten und genau wussten, er würde bald aufbrechen. Seine Frau war es, die es schließlich schaffte, dass er ihnen von der anstehenden Mondmission erzählte und sich verabschiedete, ihnen erklärte, dass er vielleicht nie wieder heimkommen würde. Wie bei einer seiner Pressekonferenzen beendete er das Ganze mit einem: „Noch Fragen?“ und verabschiedete seinen ältesten Sohn mit einem gefühlslosen Handschlag, statt mit einer Umarmung, ließ seine Frau mit einem kurzen Kuss im Hauseingang stehen und reiste ab.

Ein paar Gedanken zum Film.
Hat Armstrong nicht eigentlich genau dort versagt, wo seine eigentliche Aufgabe war? War es nicht unfair von ihm, dass er seiner eigenen Familie so viele Sorgen aufgebürdet hat? War sein Beruf nicht unverantwortlich gegenüber seiner Frau und seinen Kindern und kann man als geliebter Vater so einen egoistischen Traum ausleben? War diese Mondmission wirklich so wichtig für die Wissenschaft, dass einige ihr Leben lassen mussten? Und ist die Wissenschaft wirklich wichtiger als die eigene Familie?

Die Wende und das Leid.
Kurz bevor der Film zu Ende geht, wird dann der wahre Grund für Armstrongs Mondmission sichtbar und das egoistische Bild, dass man von ihm hat, wandelt sich in das, eines durch den Verlust seiner Tochter gebrochenen Mannes. Und auf einmal ist Armstrong jemand, dem man gerne geholfen hätte, weil er doch sein Leid einfach nicht allein ertragen konnte.
Seiner Frau und ihm hätte man am liebsten einen Tipp für eine glückende Ehe gegeben: Kommunikation. Denn genau daran scheitern so viele Paare und genau dieses Scheitern kann man im Film gut beobachten. Und seinen Kindern hätte man am Liebsten gesagt: Euer Vater liebt euch so sehr! Der Film geht einem trotz der etwas Amerika-verherrlichenden Mondlandung sehr zu Herzen, weil er die Familiensituation und die Probleme so lebensecht und greifbar nah zeigt.

Text: Resi Schmalzbauer / Fotos: Universal Pictures

YOU! Film-Bewertung:
(1 = Ziemlich cool, 5 = Ziemlich daneben)

Filmaussage……………………..3
Filmstory……………………………2
Filmumsetzung………………….1
Umgang mit Gewalt………….2-3
Umgang mit Sprache………….1
Umgang mit Sexualität………1

Insgesamt……………………2

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